Dienstag, 21. Mai 2013

Rugbyleage

Goroka in Weiß, Rot, Blau Gurias in Rot,Weiß,Grün
Seit Anfang Mai hat die Saison für die professionellen Rugbyspiele wieder begonnen. Am Sonntag Nachmittag von 15-16 Uhr finden dann Spiele der Rugby-Bundesliaga statt. Von 12 bis 15 Uhr sind die Vorspiele der Gorokaschulen, dann beginnt das Hauptspiel mit einer langen Ansage von allen Sponsoren und wieviel gespendet wurde, dann werden die Ehrengäste vorgestellt und dann kommen die Mannschaften herein in die „Arena“, wie gefeierte Gladiatoren mit Musik und beklatscht von 2000 Neuguinis.
Die Mannschaft in Goroka heißt „Bintangor Goroka Lahanis“. Bintangor ist der chinesische, gut sortierte Supermarkt in Goroka und Goroka Lahanis heißt das Team. Ich glaube Lahanis ist Tokples (Pdg.: Sprache) Goroka (Gahuku = Sprache von Goroka). Aber was es heißt, weiß ich noch nicht.
Gurias vs. Lahanis

Natürlich bin ich ein Lahanisfan. Wenn ich in Goroka mit dem Trikot herumlaufe rufen mir häufig leuter hinterher oder wollen mir die Hand geben, weil sie sich freuen, dass ich als Weißer Lahanisfan bin.
Die Vipers haben einen Lahani getuckelt
Ich war bis jetzt bei zwei Spielen. Vor zwei Wochen das hochkaretige Spiel der Tabellen ersten und zweiten Rabaul Gurias gegen Goroka Lahanis in Goroka und das Spiel am letzten Sonntag Port Moresby Vipers gegen die Lahanis in Goroka. Beide Spiele waren sehr spannend. Im ersten war das Spiel der Lahanis sehr interessant und gut und sie haben die Gurias, die die Favorieten waren, mit 26:16 besiegt. Die Vipers haben in der ersten Halbzeit dominiert und es stand bis zur zweiten Halbzeit 16:6 für die Vipers, dann in der zweiten Halbzeit haben die Lahanis härter getucklet und die Vipers haben nicht mehr punkten können, sodass die Lahanis mit den vielen Anfeuerungen der Zuschauer 22:20 gewonnen haben. In diesem Spiel haben die Fans der Lahanis eigentlich gewonnen und den Sieg zu den Spielern gebracht, ich habe es vorher noch nicht erlebt, aber hier haben alle Fans durchgehen angefeuert.

Begeisterte Fans stürmen das Feld nach dem Abpfiff
Da ist Neuguinea anders als Europa. Dort sind Fußballspiele der Bundesliga regelrechte Fanpartys, aber hier ist man ehr stiller Fan. Das hat sich von Spiel zu Spiel geändert und ich würde mich freuen wenn das die nächsten 6 Heimspiele auch anhalten würde. Ich freue mich auf jeden Fall auf die kommenden sechs Spiele.




Kräuter, Medizin Hexerei und Erdnüsse


Pflanzen der Woche: Erdnuss, Salat, Komfree

Ich habe mal in meinen Rundbriefen geblättert und festgestellt, dass ich im ersten Rundbrief eine Pflanze der Woche hatte, aber dann nie wieder. Ich erinnere mich auch, dass ich das in jedem Brief haben wollte, aber auch nicht gemacht.
Also hier für alle Botaniker und die, die es gerne wären, gibt es jetzt drei Pflanzen der Woche vorgestellt und ausprobiert.
Die stolze Präsentation meiner Erdnussernte, Heilpflanze „Salat“ und das Erkältungskraut „Komfree“

Voll auf die Nuss
Meine Erdnussernte
Im letzten Gartenangriff habe ich mich verschärft um die Erdnüsse gekümmert. Seit fünf monaten sind sie Gewachsen und nun müssen sie raus. Die Nuss, die eigentlich eine Hülsenfrucht ist, wächst in fast allen Böden und braucht nicht viel, da ist es hier in Goroka fast schon zu luxuriös für sie mit dem saftigem Boden, der reichen Sonne und dem vielem Regen, aber ich habe trotzdem gut geerntet.
Etwa 3 kg Nüsse auf 5 m². Nun Trockne ich sie und dann kann man sie Weiterverarbeiten. Die frischen Nüsse schmecken ganz anders, als die getrockneten und auch echt gut in Salaten und mit Ingwer roh in den Mund gesteckt. Es gibt auf dem Markt immer Erdnüsse in einem Kohlblatt mit Karotte, Ingwer und Salz als leckerem Snack.
Ich habe vor sie mit Honig, oder mit Paprikapulver zu rösten und natürlich die Neuguini-feuergerösteten Erdnüsse mit Salz zu machen.
Was ich bis jetzt weiß ist, dass die Nüsse beim Pflanzen und der ernte recht anstrengend sind und kann mir nicht vorstellen, dass es dafür besondere Manschienen gibt, die es besser machen als die Kinder in Indien oder Südamerika. 2/3 der Welternte wird zu Öl und der Rest in Arfika, Amerika und Europa als Snack, oder Butter konsumiert.
Die Nuss ist sehr gesund als frischer Salatzusatz und enthält viele gute Fette.
Wie es mit den Nährwerten der gerösteten Nüssen in Europa aussieht, weiß ich nicht!

Salat“
Salat 
Der Salat den ich meine, ist nicht der Salat-Salat, den man in Deutschland unter dem Namen kennt.
Auch botanische Namen, oder Wikipedia-Artikel kann ich nicht finden.
Dieser dubioser Salat ist eine erstaunliche Heilpflanze, ich habe ihn das erste Mal in Wewak am Kai gesehen, wo sich eine dicke Frau die Knie damit betupft hat und dann später am Mt. Wilhelm habe ich darüber gehört, dass man ihn zur Schmerzlinderung von Gliederschmerzen verwendet. Ich habe es selbst noch nicht ausprobiert, weil es nie so doll wehgetan hat, aber der Beschreibung nach tupft man mit den Nesselblättern die betreffenden Stellen ein und darf sich danach nicht Jucken und nach etwa 5 Minuten ist der Schmerz weg und kommt auch so schnell nicht wieder. Neuguinis verwenden es bei Altersschmerzen, Beulen und Heilkunde/Hexerei.
Unsere Hausmeri (Pdg.: Putzfrau) hat den Salat um unser Haus herum gepflanzt und sorgt dafür, dass immer genug Blätter wachsen. Auf dem Markt wir es als Heilmittel zu 20 Toea der Zweig verkauft. Diese erstaunlichen Blätter werde ich glaube ich mal in ein Labor bringen und die Nesseln untersuchen lassen. Vielleicht ein unbekanntes Mittel gegen Schmerzen, das man noch verbreiten muss.

Komfree“
Komfree
In der letzten Woche habe ich mich wohl irgendwie mit einer leichten Erkältung angesteckt und herumgeschnupft und gehustet. Dann kam mein Mitbewohner auf mich zu und sagte, das was Neuguinis immer sagen bei jeder Krankheit, Ingwer und scharfe Sachen essen damit man die Krankheit ausbrennt, aber er zeigte mir auch eine dunkelgrüne Blattpflanze hinter unserem Haus. Ich habe sie bis dahin nur als hässlich und allgegenwärtig gesehen, aber nun wurde die Sache interessanter.
Die Blätter der Pflanze werden gewaschen, zerrieben und frisch als Tee aufgebrüht und gegen Erkältung getrunken. Der Tee schmeckt ein wenig wie frisches Gurkenwasser und ein bisschen ekelig, aber er hat sehr gut geholfen. Von einem auf den nächsten Tag hatte ich weniger Schupfen und der Husten war fast weg. Ich habe nebenbei keine weiteren Medis genommen, nur Komfree und Vitamine, erstaunlich.
Auf dem Markt habe ich es noch nie gesehen und auch andere habe ich noch nie darüber sprechen hören, aber ich werde mich umhören.
So kannte ich das Zeug nicht und gut schmecken ist etwas anderes, aber von der Wirkung ich bin überzeugt!

Ernte, Aussaht, Entkrauten, Abdecken

Mein Garten 2.0

Ich habe in letzter zeit viel in meinem Garten im MI Compound geackert.
Die erste Hälfte durftet ihr ja schon erleben, aber nun kommt die zweite Hälfte und die Bananen.

In meiner Zweiten Hälfte habe ich vom (Weg nach innen) Bohnen, rote Rübe, Radischen, Schittknoblauch, Tomaten und Basilikum, Weg, Gurken und Salat, Radischen.
Weiter steht der Plan einen Kreutergarten mit Pfefferminz, Thymian, Majoran und Zitronenminze zu etablieren, außerdem möchte ich noch weitere Bohnen und Zuccini pflanzen.

Nächste Arbeit ist die Ernte der Erdnüsse und Karotten in der alten Hälfte und die Schutzmaßnamen für meine Bananen. Ich habe letzte Woche schon eine Reebe Kochbananen und eine süße Bananen geerntet und dabei feststellen müssen, dass Flughunde meine Bananen langsam aber sicher aufessen. Kleine miese Räuber, damit wird jetzt Schluss sein und ich werde die Bananen einpacken in Tüten, mal sehen ob es hilft.
Die Erdnüsse werde ich trocknen und braten und wegsnacken und die Karotten werden wohl auch weggesnacked werden. ;)

Montag, 13. Mai 2013

Der Berg ruft!

Far over the misty Mountains

Als ich nach PNG kam hatte ich schon die Idee, dass ich unbedingt auf den Mt. Willhelm klettern muss. Er ist der höchste Berg der Simbu-provinz und von ganz PNG. Mit seinen 4509m nicht grade ein Spaziergang, aber mit entsprechender Ausrüstung auch nicht unmöglich. Wichtig sind vor allem gute Schuhe und ausreichende Kondition.
Gute Schuhe hatte ich mit und so war ich sofort dabei, als mich mein Pastor John fragte, ob ich und ein paar andere Freiwillige nicht Lust auf eine Bergtour hätten. Ich habe sofort bei den anderen Freiwilligen Bescheid gegeben, aber von ihnen konnte keiner in meinem Zeitfenster starten, so bin ich allein mit John losgezogen.
Wie es so in PNG ist kann man nicht einfach so losziehen. Eigentlich wollten wir schon früher los, aber John hatte vergessen, dass eine Konferenz an dem Tag ist. Dann wollten wir am nächsten Tag früh los, aber er hatte noch nicht gepackt. Das ist einfach so. Am Anfang hat mich so etwas viel Frust bereitet, aber es ist einfach PNG und daran muss man sich gewöhnen, sonst wird man verrückt.
Wir sind mittags am nächsten Tag los und haben glücklicherweise ein privat Auto gefunden, dass uns bis Kundiawa auf dem Highway mitnahm. Ich bin noch nie den Highway weiter rauf als bis nach Assaroka gefahren und das ist eine halbe Stunde Weg von Goroka. Nach Kundiawa führt der Highway über hohe Pässe und auf schmalen Straßen an Bergflanken vorbei in die Provinz Simbu (sprich Tschimbu, oder lisple ßimbu). Die Natur und das Panorama vom Daulopass, einem der höchsten in PNG ist atemberaubend, die Straße in bekanntem mehr oder weniger kaputtem Zustand. Wir kommen an kleinen „Raststätten“ vorbei, die eigentlich nur kleine Quellen an der Straße sind mit einem Bambusrohr für einen Wasserstrahl, an denen sich ein paar Mamas mit Bananen und Gebratenem hingesetzt haben. An so einem Rastort halten wir, um zu trinken und einen Passagier abzusetzen, dann geht es weiter. Vorbei an der bekannten Congo-Kafeerösterei und an endlosen Kaffeefeldern.
Dann sind wir in Kundiawa. Kundiawa ist eine kleine Bergstadt auf einem Rücken, von dem man die hohen, schroffen Hänge des Hochgebirges in PNG bestaunen kann. Die Hänge sehen anders aus, viel steiniger, sehr viel Steiler und um einiges Höher und die Aussicht lohnt sich.
John und ich im Auto nach Kundiawa
Aber viel Zeit zum Bauklötze staunen hatte ich nicht. Es ist schon Nachmittag und die Chancen einen PMV zum Mt. Willhelm zu bekommen ist sehr begrenzt. Wir entscheiden ins Lutheran Guesthous in Kundiawa zu gehen und laden dort unser Gepäck ab. Trotz der Geringen Chancen möchte ich noch mal zum Markt um zu fragen, ob es tatsächlich kein PMV mehr gibt. Wir haben sehr großes Glück. Es gibt einen.
Auf der Straße nach Mt. Willhem gibt es keine Busse mehr wie ich sie in meinen anderen Trips an die Küste beschrieben habe. Die Straße ist zu steil, zu kaputt und zu vermatscht für Kleinbusse. Hier ist de Busch, hier gibt es nur Allradfahrzeuge, oder man geht zu Fuß!
Der PMV wollte eigentlich schon weiterfahren. Aber ich bin der einzige Weiße hier und trage einen großen Bergsteigerrucksack und Stiefel. Die Neuguinis hie sind an weiße Bergsteiger gewöhnt und halten den PMV für uns noch mal an ehe das wir merken, dass der auf unserer Straße fährt und wir noch Platz hätten. Glück für uns. Ich darf als Weißer mich mit zwei anderen auf den 1 ½ Beifahrersitz quetschen und sitze zwischen zwei lustigen Gesellen, die mir die Geschichten auf dem Weg erzählen. „Die Erde hier ist rot, weil es hier mal einen Missiorar gegeben hat der ein Schwein erschossen hat.“ „Hääää, was? Was hat das eine mit dem anderen zu tun?“ Es war der erste Missionar am Mt. Willhelm und er hat ein marodierendes Schwein in seinem Garten erschossen, weil es ihm die Kaukaus zertreten hat. Daraufhin sind die Stämme zu denen das Schwein gehört hat zu ihm und haben ihn erschlagen und sein Blut hat den ganzen Berg rot gefärbt. Irgendein Karl muss das gewesen sein, um 1934, oder so. Schweine sind hier mehr wert als Frauen manchmal sieht man Frauen die ein Ferkel säugen!
Dafür muss man aber tief in den Busch - Bin ich hier ja auch! Der eine der beiden ist ein Kanditat für die Präsitentschaft gewesen. Aber er ist gescheitert, weil er nach ein paar Millionen es leid was Schmiergeld zu zahlen. Das hat er mir so erzählt. Ich habe daraufhin erzählt, dass er dafür in Deutschland nicht nur nicht gewählt worden wäre, sondern auch noch ins Gefängnis gekommen wäre.
Daraufhin meinte er: „Ja, in Deutschland sind aber auch alle Millionäre und die brauchen das Geld nicht, dann kann es dann auch fair zugehen.“
Das musste ich dann erst mal zum einhundertsten Mal für die Neuguinis klarstellen. Deutsche sind nicht alle Millionäre, sie arbeiten auch für das Geld.
„Aber die bekommen doch eine Rente von Staat!“ Ja, aber dafür haben sie auch lange in eine Kasse eingezahlt.“
„Achso...., was ist den mit den Lutheranern in Deutschland? Die Deutschen haben so viel gutes und sie haben Luther. Da sind bestimmt alle Kirchen voll und alle sind Lutheraner?“
„NEIN, wir haben viele Glaubensrichtungen! Lutheraner, Katholiken und Muslime und viele die gar keine Religion haben! Es ist wie in jedem anderem Land auf der Welt auch. Es gibt die Mischung.“
Das war schwer! Viele Neuguinis glauben, da aus Deutschland die ganzen Missionare kamen (kamen sie gar nicht alle, aber wir sind in den Highlands und da waren schon viele Deutsche, man denke da mal an den erschlagenen Karl) und immer Güter und Luther-Geschichten mitgebracht haben müsste in Deutschland der Himmel sein.
ICH PLEDIERE HIERMIT FÜR EINEN AUSTAUSCH FÜR NEUGUINIS NACH DEUTSCHLAND! Wo sie dann zum Praktikum in deutsch Betriebe gehen und in Vorträge, um mehr über Deutschland zu erfahren und eine Rundreise, um es dann mit eigenen Augen zu sehen!
Dann erreichten wir eine sehr steile Stelle in der Straße an der schon drei PMV´s standen und nicht weiter kamen. Es hatte zu regnen begonnen und die Straße war durch die Mischung aus Lehm und Wasser zu einer schmierigen Rutschpiste geworden. Wir stiegen alle aus und suchen Kies und Steine zusammen, die wir unter die abgenutzten Reifen legten um eine griffigere Piste zu schaffen. Unserem Auto gelang es mit der Erfahrung des Fahrers die Piste als erstes zu überwinden. Es kostete viel Reifengummi und Sprit, wenn die Reifen auf dem glattem Lehm durchdrehten. Wir halfen noch den anderen Landcruisern über die Stelle, da stellte sich mir ein Mann vor. Er sei Guide Boni und habe eben mit John gesprochen, dass wir auf den Willhelm wollten und wir aus Goroka kamen und habe bis jetzt alle Goroka-Freiwilligen den Berg hochgebracht. Was für ein unfassbares Glück! Erst den allerletzten PMV am Tag dann der Guide auf unserem PMV. Er war grade mit einer polnischen Frau auf dem Gipfel gewesen und hatte sie in Kundiawa abgesetzt.
Damit hatten wir schon einen Guide und wussten wo wir heute Nacht schlafen würden. Die Restlich Fahrt habe ich weiter versucht meinen beiden Faherkabienen-Mittsitzern zu erklären, dass es in Deutschland auch Arbeit und Probleme gibt und sich Deutschland in der Hinsicht nicht so sehr von Neuguinea unterscheidet. Die haben es nicht geglaubt!
Der PMV hat uns direkt vor dem Haus des Guids abgesetzt. Ein auffallend schönes Haus-Kunai, also aus Bambus mit Grasdach (Kunaigras). Die Familie, 3 Kinder und Frau, des Guides begrüßen uns. Sie sind schon gewohnt, dass Weiße in ihrem Haus schlafen. Es gibt traditionell gekochtes Kumu (Blattgemüse) mit Reis und Kaukau (Süßkartoffeln) über dem Feuer in der mitte des Hauses Gekocht. Das Haus misst ungefair acht mal sechs Meter mit zwei sich gegenüberliegenden Bettpodesten und einer Feuerstelle in der Mitte. Ein selbstgebautes Bord mit Töpfen und Kückenkram. Eine Bank. Das ist alles. Es ist sehr gemütlich. Der Regen des Nachmittags hat das Dorf erreicht und pladdert nun auf das Dach. Wir haben es im Inneren Warm mit Feuer, Schlafsäcken und Matrazen – ungewöhnlicher Luxus für eine Nacht auf dem Dorf, sonst bin ich gewöhnt in eine Decke gewickelt auch mal auf der Erde zu schlafen.
Ein Haus wie aus einem Tolkinroman
Am nächsten morgen geht es früh los. Die Wolken hängen noch in den Bergen fest und ein difuses Licht dringt ins Tahl am großem Berg. Trotz des frühen Morgens brauchen meine Neuguinis, Boni und John, erst mal Betelnüsse (Buai) und Zigaretten. „Es ist kalt oben, da braucht man was zum wärmen!“ Ich beteilige mich nicht. Bei schon dünner Luft die dann auch noch mit Zigarettenqualm verpesten ergibt für mich keinen Sinn, aber vielleicht habe ich da ja auch was nicht mitbekommen....
Der Weg den Berg hinauf führt durch die Ländereien von mindestens zwei Clans, darum muss man auch mindestens einmal Weggebühr bezahlen. Boni ist der Guide von einem Clan und damit muss ich in seinem Gebiet nicht zahlen. Ich muss allerdings für John mitzahlen, er sieht sich als Neuguini, der mit einem Weißen reist nicht in der zahlenden Rolle. Das ärgert mich die Reise noch ein paar mal, weil er scheinbar immer Geld für Zigaretten und Buai hat, aber nie Busgeld bezahlen will und überhaupt, wenn Neuguinis Geld brauchen, dann haben sie immer etwas von Verwandten, es scheint ihm dafür nicht wichtig genug zu sein. Hier scheint er mich etwas auszunutzen... Ich weiß schon das Pastoren in PNG nicht gut bezahlt werden und auch das ich allein vermutlich mehr Geld zur Verfügung habe als er mit Familie, aber er hätte ja wenigstens anbieten können etwas zu übernehmen, doch das ist europäisch gedacht und sehr „unneuguinisch!“
Der Weg führt uns durch das Dorf immer weiter nach oben. Wir kommen am Missionarshaus vorbei und am Rollfeld. Dann kommen wir auf eine Art Alm. Ja, so etwas gibt es hier auch. Ein paar Höfe auf einer Hochwiese mit Kühen. Es sind diese indischen Kühe, da sie das Klima besser vertragen, aber es sind die ersten Kühe seit langer Zeit.
Nach der Alm kommen wir zum Waldrand. Der Weg führt hier auf Holzbalken kreuz und Quer, immer bergauf durch einen tropischen Hochwald. Es tropft von den Ästen und die Luft riecht nach Moos und Erde. Farne, Schlingpflanzen und kleine Bäume kämpfen um das wenige Licht, das auf den Waldboden fällt. Knallrote Pilze stehen auf den kleinen Sonnenflecken. Es ist merklich Kühler und dunkler, obwohl mittlerweile draußen die Sonne auf die Erde knallt. Pause machen wir stilecht auf einer Holzbank im Djungeldesighn mit passendem Papierkorb. Dann geht es wieder weiter durch den Wald. Nur einmal begegnen wir anderen Wanderern, einem Ehepaar aus Israel.
Bank und Mülleimer mittem im Bush
Bald ist der Wald zu ende und die erste Wiese wird zur Rast genutzt. Hier oben hat man eine Tolle sicht über das Land. Im Tahl unten das Rollfeld und daneben die Secondaryschool. Die Aussicht finden die Japaner auch toll, die plötzlich auch da sind. Sie tragen die Kameras in Typischer Haltung und sind top ausgerüstet mit Stiefeln, Stöcken und Trägern für die Lasten. Ein Tross von 10 Neuguinis, jeder mit einem Gepäck größer als er selbst, zieht vorbei während die Japaner die Aussicht, sich selbst und alles andere knipsen. Ich knipse die Japaner.
Nun geht der Aufstieg durch eine weite Landschaft mit riesen Baumfarhnen und vielen kleinen Flüssen. Auf den ersten Blick sieht die Hochebene ausgetrocknet aus, aber der Anblick teuscht, denn der weg ist auf ganzer Linie von kleinen Rinnsalen und Bächen durchzogen. Das gehen wird nasser nachdem man das millionste Mal in eine Wasserpfütze getabbt ist, aber das Basiscamp ist nicht weit.
Wir erreichen das Camp um etwa 14:30 Uhr, es ist eine schedderige Hütte auf stelzen mit Betten und einer Küche und einem Plumsklo hinter dem Haus. Ausreichend. Wunderschön an einem glasklarem Gebirgssee gelegen. Hinter dem See führt der Berg Steil nach oben, Wasserfälle stürzen hinab und ergießen sich in den See. Der Berglegende nach ist eine Familie hier hoch gegangen und hatte die Bilums voll mit Fett von Tieren, um davon zu essen. Sie haben hier rast gemacht und die Sonne hat das Fett ausgelassen und aus dem Fett der Mutter wurde der erste See. Weiter oben hat der Mann halt gemacht und auch sein Fett wurde zu einem zweitem See. Der Sohn ist auf den Berg gestiegen und seine Knochen bilden den Gipfel. Hier ruhen wir uns aus und trockenen die nassen Socken und legen uns ins Gras. Der Blick auf den Gipfel wird von dichten Wolken verhangen. Es nieselt immer wieder und einmal habe ich das Gefühl, dass es jetzt Schneeregen ist. Und das in PNG! Hier oben auf ca. 3600m ist es immerhin noch 15-18°C warm. Für mich ist es saukalt! Man kann sich gut vorstellen das es so oder anders in Schottland oder irland ist. Bergig, Grasig und kalt. Ich brauche meinen dicken Pollover und eine Jacke. Am Abend machen wir Feuer in der kleinen Kochhütte und braten ein paar Lamflaps. Das sind die fettigen Rippstücke von Schafen, die die Australier nicht haben wollen und nach PNG verschicken. Damit haben wir auch unser Fett mit auf den Berg gebracht. Mit Reis und ein paar Pilzen, die Boni hier oben gefunden hat, und Kumu vom See machen wir uns ein leckeres Essen und gehen früh zu Bett.
Wolken am See auf 3600m
Am nächsten Morgen um ein Uhr nachts stehen wir auf. Kurzes Frühstück und dann geht es mit Kopflampe und Taschenlampe, in warme Sachen gehüllt, weiter aufwärts. Nun ist der Weg kaum noch zu erkennen, nur durch weißgetünchte Steine gezeigt. Die Japaner von Hinweg sind schon vor uns aufgebrochen. Wir sehen ihre LED-Lampen über uns im Steilem Hang. Der Hang besteht aus Geröll durchzogen von krüppligen Büschen und hat eine beinahe konstante Steigung von 70-85°, eine Kletterpatie.
Wir arbeiten uns im Schein der Lampen hoch und überholen die Japaner nach dem ersten Drittel. Es ist immer noch Stockdunkel, man kann nur so weit wie die eigene Lampe sehen. Die Höhe merke ich erst hier ein wenig. Bis zum Basiscamp am See war es kaum zu spüren, aber hier muss man sich seine Puste einteilen und seinen Rhythmus finden und einfach dem Guide hinterher. Man kann ja eh nicht die Aussicht genießen. Dann auf knapp 4000m passiert es, das Wetter verschlechtert sich zusehens. Es fängt an zu schütten und Sturm kommt auf. Wir stecken mitten in einer Gewitterwolke. „Wir müssen umkehren, das ist Regel der Guids hier!“ sagt Boni. Ich möchte nicht so einfach die Flinte ins Korn werfen und überrede ihn zu ein paar weiteren Minuten Aufstieg, aber das Wetter wird nicht besser. Wir brechen schließlich 500 Höhenmeter unter dem Gipfel ab. Von Oben hätten man wohl auch nichts gesehen, selbst wenn die Sonne heute aufgegangen wäre, versuchen wir uns einzureden, aber die Frustration ist groß. Vom Berg besiegt steigen wir ab. Es dämmert schon als wir wieder an den Seen eintreffen.
Morgenstimmung beim Abstieg
Am Frauensee in der Hütte kurz ausruhen und dann mit etwas Schokolade doopen und den Abstieg ins Tal machen. Das Haus des Führers ist wieder sehr einladend und nach einer weiteren Pause gehe ich mit Boni durch das Dorf. Dort lebt ein deutscher Urmissionar und bastelt an dingen herum. Er ist nun schon alt, etwar 70, und kommt aus Essen. Verheiratet mit einer Simbufrau ist er nach 9 jahren Deutschland mit ihr wieder an den Berg gezogen. Im Dorf hat er die Wasserkraftanlage, die Technische Schule, die Kirche das dt. Pfarrhaus und die Küche, die Secondarryschool und einen Kuhstall gebaut. Dafür dass er erst seit 30 Jahren da ist gar nicht schlecht, immerhin braucht in PNG alles dreimal oder hundertmal länger.
Da wo der weiße Rauch ist, ist John aufgewachsen, bei Kundiawa
Dann zeigt mir Boni sein zweites Haus mitten in einem schönem Garten. Stolz ist er und ich bekomme Ableger von wertvoller Pfefferminze und Thymian. Heute geht es wieder Früh ins Bett, denn morgen müssen wir einen PMV um 5:30 bekommen. Zu meiner Überaschung ist der PMV europäisch pünktlich! Nach einer weiteren Schlammlavienenpanne, mit Steckenbleiben kommen john und ich mittags in Kundiawa an und nach einer weiteren PMV fahrt in Goroka.
Trotz wetterbedingtem Abstieg doch ein tolles Abenteuer.
Und was mir aufgefallen ist, dass die Neuguinis im Dorf am Berg viel netter miteinander waren. Ich habe keine Anzeichen von Gewalt, Verlotzung oder sonst einer Art der üblichen Verwahrlosung gesehen. Boni hat seine Kinder richtig lieb und spielt mit ihnen, was ich in Goroka oder an der Küste NIE gesehen habe, sie kriegen auch keine leichten Schläge oder sind unerzogen. Sehr entspannend. Dort ist es wie im Auenland aus dem Herrn der Ringe, eine heile Welt in all dem Wüten! Der Bergtourismus und das frühe Missionieren der Region müssen ihren Abdruck hinterlassen haben.
Zengarten am Mt. Willhelm





Sonntag, 21. April 2013

Upper Assaro

Im Lande der Assaro Mudman

Die Assaro Mudman sind berühmt für ihre Singsing-Kostüme. Sie tragen eine Art Helm aus Ton mit einer gruseligen Geistermaske und beschmieren sich am ganzem Körper mit Asche und weißem Lehm, sodass sie aussehen wie Gespenster. Diese Kostüme haben sie im Krieg gegen ihre Feinde entwickelt, aber nun werden sie nur noch zu traditionellen Tänzen getragen.
Am Wochenende war ich mit Pastorin Verena und der anderen Freiwilligen aus Goroka, Tanja, im Land der Geisterkrieger. Verena musste los einem Pastor bei einem Gottesdienst mit Taufe, Konfirmation, Konfirmationsjubiläum, Hochzeit und Kirchenwiedereingliederung helfen. Das stramme Programm ist nicht selten, da die abgelegenen Dörfer nicht so häufig von ihren Missionarrys besucht werden und sich die guten Happen für den Tag aufsparen.
Am Sonntag den 21.04.13 sind wir mit dem legendärem Landcruiser den Highland-Highway mit seiner bereits erwähnten Straßenqualität in Richtung Norden höher in die Berge gefahren. Nach einer halben Stunde „guter Straße“ sind wir auf eine Bushroad abgebogen und haben Pastor John einen Neuguinipastor eingesammelt. Mit ihm ging es die Schotterpiste etwas 2 Stunden Weiter in die Berge. Immer höher, immer höher lozte John uns durch die Schlaglöcher, bis kaum noch ein Weg zu erkennen war.
Oben am Dorf wurden wir bereits von der ganzen lutherischen Dorfgemeinschaft erwartet. Die Mamas (Pdg.: ältere Frauen, ehrenwerte Frauen) des Dorfes haben grade das große „Mumu“ (Pdg.: ím Erdofen gegartes Gemüse und Fleisch) in die Familienköbe verteilt. Wir wurden stürmisch begrüßt um von vielen Fremden umarmt. Eine witzige, oder nicht witzige Art der Neuguinis ist, dass wenn einen eine alte Mama umarmt, sie meisten einem voll an den Hintern fasst, um zu fühlen wie man so bebaut ist und bei Mädchen, oder Frauen wird gleich der Bauch befühlt, ob schwanger, oder nicht. In den frühen Jahren der Highlandmission wurde den Männern auch ans Gemächt gefasst, weil man durch die Hosen ja nicht wusste wen man hier vor sich hatte. Wilde Sitten!
Die Männer bauen einen Mumu-Hügel
Unsere Begrüßung war herzlich und alle haben sich sehr gefreut, dass wir Freiwilligen mitgekommen sind. Das Dorf liegt eingekuschelt zwischen hohen Bergen auf einer Landnase, die in ein bewaldetes Tal hereinragt. An den Berghängen sind große Gemüsefelder mit Kohl, Karotten, Kaukau (Pdg.: Süßkartoffeln) und viel Neuguinigemüse.
Meine kleine Digitalkamera war der Hit, alle wichtigen und unwichtigen Männer und Familien haben sich fotografieren lasen, während wir die Vorbereitungen des Endlosgottesdienstes abgewartet haben.
Die Dorfjugend bettelt drum fotografiert zu werden
Neuguinis können gut warten und auf dem Dorf hat man noch mehr zeit als irgendwo sonst. So kann man pünktlich eine bis zwei Stunden nach der Zeit anfangen. Wir haben die zwei Stunden gewartet. Bis die Frauen das Mumu direkt neben der Freilichtkirche eingeräumt hatten und alles mit Bananenblättern und Erde überdeckt war. Dann noch den Altar aus der kleinen Kirche holen und planen und weitere Bananenblätter als Sitzgelegenheit verteilen.
Dann konnte es losgehen. Mit Gitarren und einer „Kundu“ (Pdg.: neuguinische, traditionelle Trommel) begleitet wurden erst mal ein paar Lieder gesungen, um die Gemeinde auf Kirche einzustimmen. Das finde ich eigentlich eine Schöne Sitte! Man kommt in die Kirche und es wird gesungen und man kann sich in ruhe hinsetzten und mitsingen und den Alltag ausblenden.
Dann wurden die neuen Pastoren und Freiwilligen kurz vorgestellt und die Zeremonie zur Wiedereingliederung von fünf Gemeindemitgliedern startete, gefolgt von zwei Hochzeiten.
Gottesdienst bei Nieselregen
Im Trausegen heißt es: Verbunden in Art des Dorfes und nun vor Gott. Es wird erst mit dem Dorf eine Hochzeit gefeiert, sozusagen standesamtlich und dann in der Kirche wenn es passt. Kann aber auch heißen, dass die Braut von ihrem speziellem Freund hinter den Busch gezogen wurde und ein Kind erwartet wird und sie nun heiraten müssen damit sie das Kind behalten kann und nicht an entfernte Verwandte abgeben muss, damit der Haussegen wieder grade hängt. Gibt beides und jede Abstufung zwischen den beiden Möglichkeiten.
Hier war es wohl alles in Ordnung und es wurde fröhlich gehochzeitet, dann noch schnell elf Kinder Taufen und die Konfirmation von drei Jugendlichen und das Konfirmationsjubiläum von zwei alten Mamas feiern.
Dann war der Gottesdienst fast zu ende, aber die Freiwilligen mussten sich noch vorstellen. Wer man ist, woher man kommt, wie groß die Familie ist (Das ist wichtig, damit Neuguinis den Wert einer Person abschätzen können.), wie lange man in Neuguinea ist und wann man nach Hause fliegt und am besten ist man noch über froh in diesem schönem und fröhlichem Dorf zu sein.
Dann wurden wir drei Weiße kaum noch losgelassen. Erst waren wir nur weiße, die zu Besuch kamen und dazu Pidgen sprechen konnten, dann auch noch Freiwillige, die sind hier gerne gesehen. Wir bekamen Gemüse und Obst geschenkt und wurden wie Selbstverständlich zum großem Mumu eingeladen.
Mir wurde der Trubel etwas zu viel und habe dann mit den Männern des Dorfes geplaudert und mich nach den Feuermethoden erkundigt, als alter Pfadfinder musste das sein.
Feuermachen wie for tausenden von Jahren
Hier benutzt man einen gespaltenen Stock und eine Bambusschnur die man wie eine Bandsäge daran reibt. Gebettet auf Zunder macht diese Methode nach einer Minute schon eine Glut die reicht um Feuer oder Zigaretten anzuzünden. Ich durfte auch probieren. Ich brauchte zwei Bambusschnüre, aber dann hatte ich auch nach erstaunlicherweise kurzer Zeit meine Glut. Das „Feuerzeug“ durfte ich behalten, wenn mir mal die Streichhölzer zu Hause in Goroka ausgehen sollten und der Gasherd nicht angeht, dann sollte ich das machen. Nett diese Neuguinis!
Dann ging ich noch bis zum großen Schlemmen im Dorf herum. Tanja wollte mir da folgen, aber sie wurde von Frauen zurück gehalten. Frauen sollten beim Essen bleiben und Geschichten erzählen. „ Yu stori!“ (Pdg.: Du erzählst.) Heißt es dann immer. Hier sind die Geschlechterrollen sehr klar verteilt! Frauen kochen, Männer machen Feuerholz, Frauenwaschen stromabwärts, Männer waschen Stromaufwärts, Kinder werden von Frauen erzogen bis 6 dann kommen sie ins Haus-Man oder Haus-Merie, wo sie sie Tradition, Jagdmethoden, Geschichten, Verhaltensweisen, Gesetze und Gebräuche des Stammes lernen.
Akker, Felder, Anbauflächen
Während der Tour bekam ich weiteres Gemüse geschenkt und sah die Riesigen Gärten des Dorfes. Selbst wenn andere Hungern hat dieses Dorf immer zu essen, da sie die größten Gärten haben, die ich in PNG je gesehen habe. Sie bauen nicht nur zum Eigenbedarf an, sondern exportieren auch an die Küste. An der Küste gibt es sehr begrenzt Gemüse, da der Boden zu sandig ist. Deshalb Exportiren die Highlands Gemüse an die Küste und verkaufen es dort teuer. Wenn in Goroka eine Karotte 10Teua kostet (3,75 €-Cent) dann kostet sie an der Küste 50Teua. Die Gewinnmaschen sind enorm bis zu mehreren hundert Prozent.
Dann wurde ich zum essen geholt. Mumu ist viel Kumu! (Mumu= gegahrtes Gemüse und Fleisch aus dem Erdofen, Kumu= Blatt- Gemüse jeder Art Brokoliblätter, Kürbisblätter, …) Wir als Missionare bekamen die Königsgäste Portion. Gastfreundschaft ist hier sehr Wichtig! Auch wenn man das Essen nicht aufessen kann, was gar nicht erwartet wird, bekommt man eine enorme Portion, die man am Ende weiter verschenkt. Ein sehr leckeres Mumu, mit Hühnchen und Schweineschwarte und gebackenen Bananen, Kockbananen, Kaukau und Kumu. Das Mumu kann auch schlechter sein, wenn das Fleisch von alten Hühnern kommt und sich wie eine Schuhsole isst und das Gemüse nicht gewürzt ist. Hier wurde mit Kokosmilch und Ingwer gewürzt und alles war sehr lecker.

Sehr viel zu Essen
Dann mussten wir bald wieder los, weil es schon später Nachmittag war. Ich hatte es gar nicht bemerkt, denn es war bewölkt. Zum abschied gab es wieder Gemüse und eine tolle Holzschale und ich bekam ein Bilum und eine Kap in Dorffarben ( Bilum= Umhängetasche). Dann stiegen noch 15 weitere Neuguinis in unseren Zehnsitzer-Landcriuser und so kuschlig überladen ging es die Berge hinunter.

Die Mudman habe ich heute nicht gesehen, aber es sind ja auch Geister, die nur gegen Geld oder auf der famosen Gorokashow auftreten (Bilder von ihnen im Blog bei der Gorokashow). Trotzdem toller Tag und wieder was fürs Leben gelernt!


Viel Gemüse, Dorffrauen und ich



Donnerstag, 18. April 2013

Paps Lebensgeschichte

Die Geschichte meines Mitbewohners

Seit ungefähr einem Monat wohnt immer für zwei Wochen mal und mal nicht ein weiterer Neuguini in unserem Haus. Er heißt eigentlich Ben, wird von uns aber Pasp genannt, weil er viel älter ist und schon erwachsene Kinder hat.
Immer wenn ich mit Ben beim Abendessen rede, läd´ er mich zu sich ins Makam-Valley ein. Dort war ich noch nie und so viele Küstendörfer werde ich nicht mehr sehen. Also gute Gelegenheit!
Er erzählt dann von tollen Sachen. Vom Kochen in Steinguttöpfen, einzigartig für PNG, von dem vielem Chilli im Essen, einzigartig auch in Makam, und von der Natur!
Von straußengroßen Vögeln, deren Eier man auf Bushtripps ausgraben kann und Omelett für vier, normale Personen aus einem Ei machen kann, Neuguinis essen wahrscheinlich eines allein. :) Oder er erzählt von der Jagt auf die kleinen süßen Baumkängurus. Denn die Kirche seines Dorfes hat mal von einem Mann Patronen und ein Gewehr geschenkt bekommen, damit sie immer gut „Abus“(Pdg.: = alle Tiere außer Vögel und Schweine) haben können.
Bei so einer Geschichte hat er mir seine Karriere zum Verkäufer bei Roy erzählt. Roy ist der Aussi, der auf dem MI-Compound wohnt und seine Solarlösungen in Goroka verkauft, zum Teil deutsche Wertarbeit.
Aber Paps hat nicht immer bei Roy gearbeitet. Alles begann in seinem Dorf im Makam.
Ben war ein richtiger „Manki bilong Ples“, ein Dorfjunge, der seinen Garten hatte und jeden Tag mit seinem Bushknive darin herumwühlte. Er hat die Schule nach der achten Klasse verlassen, um Subsistenzwirtschaft zu betreiben und um zu heiraten. Dann hatte er Frau und Kinder und war an seinen Garten gebunden. Seine Freunde sind noch weiter zur Schule gegangen und haben immer gefragt, ob er nicht auch irgendwas kaufmännisches lernen möchte, da es in seiner Nähe so eine Art berufliche Schule gab und der Schulleiter ihn kannte. Aber Ben hat geglaubt sein Leben wäre nun fast um mit Kindern und Frau und er hatte ja auch seinen Garten...
Doch mit der Zeit sah er auch immer neidischer zu seinen Freunden, da sie Handys hatten und zur Schule gingen, um später Geld zu verdienen. Und eines Abens traf er den Schulleiter bei seinem Garten, der ihn fragte, ob er nicht zur Schule gehen könnte, er müsste das Schulgeld auch erst später bezahlen, aber Ben war mit seinem Leben zu festgefahren und hat sich damit herausgeredet, das er kein Geld hatte. Der Schulleiter ließ nicht locker und hat ihn dann auf blauen Dunst eingeschrieben. Damit Ben es sich überlegen konnte.
Zu Hause hat Ben mit seiner Familie gesprochen. Seine Frau hatte wohl nur gewartet bis er das Thema anschneidet und ihn gedrängt das zu tun, aber Ben war noch zu stolz und zu stur, er hatte ja noch den Garten. Sein fünfjähriger Sohn bekam das mit und hat dann mit der Hilfe der Mutter versucht das Schulgeld für Ben zu besorgen. Die Mutter hat den Garten erweitert und Erdnüsse gepflanzt um diese dann auf dem Markt zu verkaufen und der kleine Ben Junior ist mit einem Beutel voll Betelnüssen (Pdg.:Buai) durch Dorf gezogen und hat sie verkauft, damit sein Vater zur Schule gehen kann. Zusammen haben Mutter und Sohn das Geld zusammen bekommen und Ben dann zur Schule geschickt. Man könnte jetzt denken, dass Ben sich sehr angestrengt hat, um die beiden nicht zu beschämen, aber er war wohl ein fauler Schüler. Das hat er mir auch so erzählt. Später habe er dann durch viel abschreiben und schummeln den Kaufmännischen Abschluss gemacht und hat eine Position in Lae in einem kleinem Supermarkt als Regaleinräumer gefunden. Diese Arbeit hat er gut gemacht, denn bald wurde er zum Kassierer befördert und konnte sich ein kleines Haus in Lae leisten und hat seine Familie nachgeholt. Dann ist er mit ihnen erst mal einkaufen gefahren und hat säckeweise Reis und Dosenfleisch und Thunfisch eingekauft, wie das Neuguinis in der Stadt so machen. Denn „Protein“ wir immer gegessen, sonst ist das Essen nicht genießbar, egal wie billig der Thunfisch oder das Fleisch ist. Vielleicht auch, weil die Dorfneuguinis immer für Protein schuften müssen und nun in der Stadt alles bereit steht.
Seiner Frau gefiel es in der Stadt trotz des Komforts nicht gut und sie ist mit den Kindern wieder ins Dorfhaus gezogen. Lae ist nachts nicht sicher.
Ben sollte dann weiter in ein Büro versetzt werden, weil er so gute Umsätze machte, aber da hat er gekündigt und ist zum nächsten Supermarkt gezogen. Da hat es ihn auch nicht lange gehalten, wegen des Arbeitsklimas. Er arbeitete nun bei der Konkurenz.
Er ist dann wieder ins Dorf gezogen und hat eine Weile nichts gemacht, bis das Geld weg war. Dann hat er wieder im Garten gearbeitet und wurde zur Jugedarbeit in der Kirche abgestellt.
Da konnte er sich schon ganz gut verwirklichen. Er hat Gitarren für die Kirche gekauft und den Jungs vom Dorf Spielen beigebracht. Dann wurde er fast einstimmig zum Finanzchef der Dorfkirche und Später Bezirkskirche gewählt. Dort hat er die Kirchen renoviert so gut es ging und ein Pastorenbüro eingerichtet und einen Kirchenshop in seinem Dorf aufgezogen.
Makam liegt geografisch Zwischen Lae und Goroka direkt am Highway. Die nächste große Stadt ist Madang an der Küste Und dazwischen wieder der Highway und das Ramutahl. Roy unser Solarfachmann hat eine Zeit lang für den Ramu-Sugar-Konzern Solaranlagen installiert. Da sind sich Roy und Ben über den Weg gelaufen und haben beschlossen Ben sollte wieder ins Kaufmannsgeschäft einsteigen. Seit dem ist Ben Springer für den alten Roy, der nicht überall sein kann und Ben pendelt zwischen seinem Dorf; Goroka und weiß Gott wo.
Die Geschichte hat einen Abend gut gefüllt, dann habe ich mal nach seiner Familie gefragt.
Seine Frau arbeitet nun allein im Garten, den sie zuvor zu Zweit bestellt haben und seine Kinder gehen nicht zur Schule.
Da habe ich ihn ausgezählt, das es so nicht geht. Seine Frau zusammen mit seinem Sohn haben ihm das Leben als Kaufmann ermöglicht und den relativen Wohlstand verursacht, aber er kümmert sich nur wenn er da ist und schickt nicht mal Geld nach Hause. Paps hat dann gesagt das Schulgeld zu teuer ist. Dabei ist das nur ein Projektgeld um das Material zu zahlen und 20 Kina im Monat tun nicht weh. Das Schulgeld wurde Anfang letztem Jahres vom Minister abgeschafft. Ich habe ihm geraten er solle einen Bankaccout für seine Frau einrichten und Haushaltsgeld überweisen statt es zu verrauchen, Bauai zu kaufen und zu Saufen. Das sei nicht christlich und schon gar kein gutes Vorbild für seine geliebte Dorfjugend. Martin Luther hätte das nicht gemacht, der stände ewig in der Schuld seiner Kinder. Dass der gute Luther sich gegen den Wunsch seines Vaters entschieden hat und deswegen kein Geld zum Studieren mehr bekam und Mönch wurde habe ich ihm nicht gesagt...
Paps fiel es wie Schuppen von den Augen und er war ganz traurig und hat versprochen, dass sich etwas ändert. Mal sehen was kommt.

Man darf sich hier in Neuguinea keine so große Visionen von einem Wort machen, da es nichts gilt, ähnlich wie ein Vertrag. Aber den Versuch ist es wert. Vielleicht gehen seine Kinder nächstes Jahr zur Schule. Und Luther kann weiter im Grab schlafen.

Soweit eine ware Geschichten aus Neuguinea.


Donnerstag, 4. April 2013

Fröhliche Ostern!

Tauchkurs in Madang

In der Woche vor Ostern waren die Hellfritschens, Tanja und ich in Madang und haben unseren Weihnachten gescheiterten und versprochenen Tauchkurs nachgeholt.

Früh am Sonntag morgen sind wir bei Hellfritschens losgefahren, um so früh wie möglich in Madang anzukommen.
Der Highway war in einem miserablem Zustand. Regenfälle hatten Straßenteile weggespühlt, erosiertes Erdreich hatte andere Stellen verschüttet und zu allem übel regnete es auch in Strömen, sodass die sonst schon glitschige Straße eine Autowasserrutsche wurde, aber das alles ist kein richtiges Problem für einen Landcruiser.
Wir kamen drei Stunden später in Amron bei Madang an, als wir es geplant hatten, aber der Tag war noch jung und so konnten wir mit der vielen Theorie für den Kurs anfangen.
Am nächsten Tag sind wir ins Madang Resort zur Tauchschule „Neuguini Adventure Dive“ gefahren. Pedro, unser fidji Tauchlehrer, hat uns schon erwartet. Alles begann mit einer DVD über Theorie, danach ging es in den Pool und wir haben schwimmen unter Wasser und atmen mit der Sauerstoffflasche auf dem Rücken geübt. Das war schon unser erster Tag.
Der Zweite Tag begann wie der erste, bloß mit weniger Theorie, denn tauchen lernt man im Wasser und nicht aus Büchern. Vormittags Pool und nachmittags sollte es schon unseren ersten Ozean-Tauchgang geben.
Wir fuhren mit dem Riffexpeditions-Kattermaran raus in die Bucht von Madang in die Nähe von Pig-Island. Es war recht unruhige See und so war der einstig weniger geordnet als es schön gewesen wäre. Unser Tauchlehrer hat uns alle einzeln nach unten gebracht und uns zu einem Stein geführt zu festhalten, da die Strömung einen sonst mitgerissen hätte. Das erste mal ins dunkle blau des Ozean zu schauen st eine ganz besondere Situation. Man ist erst aufgeregt und saugt viel zu viel Luft aus dem Tank auf dem Rücken und so dauerte unser erster kleiner Tauchgang am Riff entlang nur 25 Minuten mit einer Flasche, die locker auch für 45 Minuten reichen könnte, trozdem haben wir ihn sehr genossen mit den ganzen kleinen Fischen und Korallen.
Tauchschule ist auch Spaß
Die nächsten Tage lernten wir uns erst im Pool und dann im freiem Wasser mit der Tarierweste auf eine tiefe einzupendeln und nicht ständig zu Sinken oder zu steigen, denn durch das Atmen unter Wasser wirkt die Lunge wie ein Auftriebskörper, deshalb trägt man einen Bleigürtel mit sich herum. Aber dadurch wird man nach unten gezogen und um nicht immer nur auf dem Grund zu tauen hat man eine Tarierweste, die man mit Luft füllt um einen neutralen Auftrieb zu erreichen-also im Wasser zu schweben.
Wir lernten auch die Zeichensprache unter Wasser und was man tut wenn einem die Luft ausgeht, oder man seinen Tauchpartner verloren hat.
Weitere 4 Freiwassertauchgänge folgten. Zu versunkenen Schiffen, Flugzeugen aus dem zweitem Weltkrieg und bunten Riffen.
Das Tauchen am Tag ist anstrengend, je mehr Tauchgänge man macht desto mehr strengt es an, deshalb haben wir abends immer gut gekocht und noch mit allen Siedler gespielt, um uns zu erholen. Nach insgesamt fünf Freiwassertauchgängen und einer theoretischen Prüfung haben wir alle den „PADI Open Water Diver“ Schein bekommen, der uns berechtigt überall auf der Welt Ausrüstung zu leihen und bis zu einer Tiefe von 30 Metern zu tauchen .

Ich habe Nemo gefunden!
Zu Ostern haben wir Eier bemalt und sind zur Osternacht gegangen. Der Gottesdienst hat direkt vor dem Haus stattgefunden, gehalten von Pastor Hans Gauvogel und seinen Schülern aus der Religionsschule. Osterfeuer gab es nicht und auch die Tradition des Eieranmalens kennen die Neuguinis nicht, dafür gab es sehr leckeres Osterfrühstück und einen Extratauchgang zum Barakudapoint. Dort haben wir die Riesigen, aber harmlosen Barakudas in ganzen Schulen gesehen und sogar drei graue Riffhaie, die nicht ganz so harmlos sind.
Tanja und ich beim Barakudapoint
Was für ein Abenteuer!
Die Rückfahrt am Ostermontag war wieder recht rau, da der Highway durch weiteren Regen immer mehr kaputt geht.