Mittwoch, 7. November 2012

Irgendwo im Nirgendwo ist eine Wahl

Die Districkswahl

Am Donnerstag (13. Oct.) War im Gorokadistrickt die Wahl zum neuen Kirchenpräsidenten des Districkts der ELC PNG (Evangelisch-Lutherische-Kirsche PNG).
Am Mittwochnachmittag entschloss ich mich kurzfristig am Donnerstag mit zur Wahl zu kommen und als unparteiischer Beobachter mir die Sache anzusehen. Von meinen Mentor wurde ich für diesen Tag von der Arbeit im Büro befreit und so konnte es dann um 7:00 Uhr mit dem Land-Cruiser losgehen. Ich fuhr mit dem Papa aus Asaroka zusammen, der mir das Mumu-Machen erklärt hatte und meinen beiden Mentoren Thomas und Cynthia. Auf dem Weg in das 70 km entfernte Dorf Setzten wir noch die befreundeten Schulkinder der Familie Hellfritsch ab und fuhren dann auf direktem Weg zum Mount Kuru, tief in den südlichen Bergen in der Eastern-Highland-Province, in der auch Goroka liegt.
Warum die Wahl auf einem entlegenem Dorf am Berg Kuru stattfand wusste keiner so genau. Wir spaßten, dass so eventuelle Kandidaten durch den langen Weg aufgehalten würden und der Berg sich leichter gegen die Stammesangriffe verteidigen ließe. Das ist natürlich Quatsch, denn warum Sollte man eine eigentlich friedliche Kirchenwahl angreifen und die Kandidaten waren Neuguinis und die kamen überall hin.
Auf der Fahrt erzählte uns Thomas, um uns auf die Wahl einzustimmen, ein Paar wahre Geschichten von Polizeigewalt, Bestechung, unfähigen Managern und andere haarsträubenden Delikten und Menschen, die hier passiert sind.
In Goroka kann man nur zu den Bergen hinauf sehen, aber man kommt selten heraus aus der Stadt. Hier fuhren wir auf schmalen teils kaum vorhandenen Straßen und Feldwegen die Berghänge entlang. Ich konnte mich kaum sattsehen an den ganzen tollen Attraktionen, die die Highlands hier bieten. Es gibt steile Klippen und verwunschene Täler, kleine Hütten auf kahlen Bergen , wie in alten Kungfu-Filmen und Dörfer, die nur über schmale Hängebrücken und tief verschlammte Pisten zu erreichen sind. Hier ist Neuguinea noch wild. Das roch man auch an der Luft. In Goroka wird viel Müll verbrannt und klapprige Autos fahren mit großer Anstrengung den Highway entlang, wobei sie große schwarze Wolken produzierten. Hier riecht es nach nasser Erde, Wald und frischer Gebirgsluft, denn zur Erinnerung die Highlands erstrecken sich von ca. 800m über Null bis zu 4560m (Mt. Willhelm) also Hochgebirge. Es gibt hier aber keinen Schnee. :)
Unser Weg schlängelte sich erst auf dem Highway dann auf immer schmaleren Straßen durch die Berge. Je weiter wir vom Highway wegkamen, desto sauberer, aber auch schlechter wurde die Straße. Wenn auf dem Highway metertiefe Schlaglöcher sind, findet man hier kaum noch eine Straße vor, weil die mal den Abhang hinuntergespült wurde, oder anders kaputt ging und nicht erneuert wurde. Ein echtes Abenteuer hier entlangzufahren, denn auch wenn der Land-Cruiser allrad- betrieben ist und gute Stoßdämpfer hat, wird man ordentlich durchgeschüttelt von den vielen Schlaglöchern und Matschseen.
Bei unserer Ankunft war die Andacht schon voll im Gang und wir nutzten die Zeit, um uns den wichtigen Männern dort vorzustellen. Ich sprach mit vielen Neuguinis und stellte mich als Voluntair aus Goroka vor. Was mich verblüft hat,  viele dorthaben schon etwas von der Nordkirche oder ihren Vorläufern in Deutschlad gehört. Ich hab auch mit zwei Neuguinimännern Gesprochen, die schon in Deutschland waren. Sie erzählten mit leuchtenden Augen davon. Einer war 2009 da, einer 1999. Die Kirchengemeinde legt immer Geld zusammen um einem von ihnen die Rise zum Partner in Deutschland zu ermöglichen. Der muss bei seiner Rückkehr bestimmt viel erzählen.
Zur Mittagszeit gab es das Essen für den ganzen Tag: Reis mir Gemüse, Ban (Pdg.: weiches Milchbrötchen) mit Butter und eine Tasse wässrigen, sehr süßen Kaffee. Hier wird Kaffee entweder sparsamer benutzt, oder die Neuguinis mögen ihn nicht so stark. Ich komme aus einer Familie mit Starkkaffeetrinkern und mag ihn am liebsten in der Cowboykanne über einem Feuer gebrüht bis er die Farbe und Konsistenz von Teer hat. Dieser Kaffee war zu schwach für mich!
Die Vorstellung der Kandidaten nach dem Essen war das nächste Highlight an diesem Tag. Es hatten sich 6 Kandidaten gemeldet und das Wahlkomitee hatte 3 rausgeschmissen, weil sie den neuen Wahlordnungen nicht entsprachen. Zwei der drei rausgeschmissenen Kandidaten waren dort und wollten wieder wählbar sein. Der Erste sagte, er hätte von seinem Rausschmiss nichts gewusst und somit liege ein Formfehler vor. Der Zweite hatte schon seine drei Amtsperioden gemacht und wollte eine nicht erlaubte vierte, was nach der alten Wahlordnung zulässig wäre.
Um dieses Thema gab es eine nicht enden wollende Diskussion. Ob man nicht die Regeln lockern sollte, ob man die Regeln behalten sollte und trotzdem alle sechs zur Wahl ständen und ob das alles nicht Unsinn sei und nur die drei zugelassenen Kandidaten zu wählen wären.
Es wurde teilweise auch richtig laut. Die Highländer stehen ja im Ruf recht jähzornig zu sein, aber bisher hatte ich das nicht mitbekommen. Sturheit kannte ich schon, aber hier ging es mit Worten hoch her.
Es gab auch beschwichtigende Stimmen, die sagten, dass man hier bei einer kirchlichen Handlung in der Kirche sei und deshalb die Regeln klar einzuhalten sind. Jesus heiße das nicht gut. Und außerdem wir sind schließlich in der Christen!
Nachdem man sich auf eine Abstimmung geeinigt hatte, wurde gewählt ob nun alle sechs, oder nur die drei wählbar sind. Es wurde für die drei entschieden. Das ist auch besser so sonst wäre an diesem Tag keine Einigung erzielt worden.
Mittlerweile war es Später Nachmittag und es Konnte endlich gewählt werden. Es gab jedoch keine Wahlkabiene und das Wahlkomitee hatte sich gedacht, dass alle nach und nach zu ihnen an den Tisch kommen sollten, um zu stimmen.
Das wäre überhaupt nicht geheim, da hier jeder jedem über die Schulter schauen kann, sagte Thomas.
Also wurde der Altarraum der Kirche zu einer Wahlkabiene und Thomas hat den unparteiischen Helfer für Wähler, die nicht lesen konnten, gemacht. Soweit fair.
Während des Wahltages sind mir keine Unstimmigkeiten aufgefallen und die Wahl ging recht sauber über die Bühne. Goroka-Town, mein Wahlbezirk hat im voraus extra entschieden dass sie durch Gott entscheiden und es ohne Bestechung tun, so wie sie es im Gebet erfahren haben. Andere Wahlkreise jedoch, so wurde mir nach der Wahl erzählt haben sich schon das eine, oder andere Auto spendieren lassen und kleine Bestechungen im Supermarkt an der Kasse angenommen.
Am Ende wurde der alte Präsident mit sehr knapper Mehrheit wieder gewählt, von dem jeder weiß, dass er Gelder in Höhe von 100.000enden von Kina veruntreut hat.
DiPNG (Das ist PNG!)!
Am Abend war hatte ich mir von ganzen Pidgenreden den Mund fusselig gesprochen und war hundemüde und froh, dass ich nicht in der Nacht zu Fuß wie manche andere nach Hause gehen musste, sondern bequem mit dem Land Cruiser fahren konnte. Ein anstrengender, aber hoch interessanter Tag.

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