Montag, 22. Oktober 2012





Kurzwanderung durch Welten

Fritagmittag in der Teepause spricht mich Morice mit seinem unvergleichbarem Aussi-Akzent an und fragt, ob ich Lust hätte mit ihm den Westteil von Goroka zu besichtigen. Es ginge ein wenig den Highway entlang.
Klar, ich bin dabei, könnte spannend werden!
Samstag gegen 13 Uhr sind wir losgestiefelt. Morice voran ich hinterher. Am Gorokamarkt vorbei und auf den Highway.
Der Highway ist die Verbindung von Hagen in den Westernhighlands nach Goroka (Easternhighlands), nach Lae und schließlich nach Madang. Für den Weg von Goroka nach Madang fährt man gute 7 Stunden. Man darf sich den Highway in PNG nicht so vorstellen wie einen Highway in den USA, oder eine Straße in Europa. Das wäre ein Fehler. Der Highway ist die Größte Strecke mal geteert gewesen, aber Witterung und Erdbeben haben ihn in einen Zustand von einer mal staubigen mal metertiefen vermatschten Piste verwandelt (erfordert Tojota Landcruiser). Teer ist eine Seltenheit. Dazu ist er überseht mit metertiefen Schlaglöchern (Pothouls), die teils witterungsbedingt sind, teils aber auch durch Einheimische aufgebuddelt wurden, um von steckenbleibenden Fahrzeughaltern Geld zu erpressen. Trotz allem ist er die Lebensader der Highlands.
Den Highway entlang zu gehen ist nicht ungefährlich. Außerhalb Gorokas rasen die LKW-Fahrer den Highway entlang, weil sie so über die zahlreichen Schlaglöcher hinwegfliegen. PMV´s (Private Motor Vehikel) müssen meisten drum herumfahren und blockieren häufig die Straße. Gefährliche Unfälle sind da vorprogrammiert.
Wir kommen an einer halb eingebrochenen Brücke entlang, die mit zwei Sandhaufen, je einen auf jeder Seite, zur einspurigen Brücke gemacht wurde. Für PNG-Verhältnisse eine gute Absperrung. Es kommt auch vor das solche Abgründe nicht abgesichert werden. Links und rechts der Brücke geht es 6-8m tief in einen kleinen Fluss. Aus dem klaffendem Loch ragt die Wasserleitung, die Westgoroka mit Gebirgswasser versorgt, festgebunden an die freischwebende Fahrbahnbegrenzung.
Weiter den Highway entlang kommen wir an Kaffeefeldern und vielen kleinen Buaiständen vorbei und am Krematorium von Goroka. Das Geschäft boomt. Wegen der streitlustigen Highländer und der vielen Unfälle auf dem Highway. Es gibt natürlich auch normale Alterstode......

Ich bewundere die wunderschöne Landschaft und schaue in die kleinen Gärten und Siedlungen. Überall sitzen Leute und reden kariert oder arbeiten vor sich hin. Kinder Spielen und rennen auf der anderen Seite des Zauns neben uns her. Als wir in sicherer Entfernung sind rufen sie „Apinun!“, lachen und laufen schnell weg. Weiße gehen hier selten zu Fuß (entlang). Ein schöner Moment, aber es geht weiter. Morice ist im australischem Buschland aufgewachsen und ist sein Leben lang im Busch umhergezogen, auf Pferden und zu Fuß. Ein richtiger Trapper! Und er hat einen schnellen, gleichmäßigen Schritt drauf, sodass ich nur wenig Fotos machen kann, weil er unbeirrt weitergeht. Das Land hier kennt er gut.
Wir machen in einem katholischem Tagungshaus Rast und treffen einen Priester von Buka-Island. Die Leute von Buka sind ganz schwarz, aber manchmal gibt es welche mit strohblonden kreuseligen Haaren. Ungefärbt. Eine Laune der Natur. Unser Gesprächspartner ist schwarzhaarig und erzählt uns von seiner Gemeinde, inder sie eine alte Fliegerbombe als Glocke haben, und Morice erzählt wie er und ein paar Freunde mal ein Flugfeld mit alten Blindgängern aus dem 2. WK freigesprengt haben. Bombe hinlegen, Gras drumherum anzünden und schnell wegrennen. Das Problem an der Sache ist, wenn sie nicht hochgeht und einer zum nachschauen hingehen muss....
Die Pause ist schnell vorbei.Morice hat bloß ein Packet für seine katholischen Brüder abgegeben und wir gehen den Highway ein Stück zurück.
Auf halber Strecke führt ein steiler Weg hinauf zur Goroka Univertiti. Vom Bergkamm, auf der die Universität steht hat man einen tollen Ausblick auf die eine Hälfte des Gorokatals. Hier war mal der erste Flughafen/Landepiste von Goroka erzählt mir Morice. Er ist nicht der Jüngste, aber auf dem steilem Weg nicht aus der Puste geraten. Ich war stark aus der Puste und musste sehen wie ich hinterher kam. Deswegen und weil Morice ein Universalgelehrter ist, ist das Gespräch während unser Wanderung sein Part.
Hinter der Universität schlagen wir uns in die Büsche. Wir gehen durch ein paar Siedlungen und wollen uns den Weg zu einem kleinem Wasserfall durchfragen.
Wenn man über Goroka hinwegfliegt sieht man viel Buschland und Steile Berge und darin eingebettet liegt der Flughafen und die Stadt drumherum. Man glaubt eigentlich nicht das drumherum an den steilen Bergen so viele Siedlungen sind. Die Leute, die hier wohnen, können sich das Grndstück in der Stadt nicht leisten oder besitzen hier schon lange Land, das sie bewirtschaften. Hier Wachsen Bananen, Kaffe, Erdnüssen, Kaukau (Süßkartoffeln), Blumen und vieles mehr. Die Highlands sind wegen ihrer vulkanischen Vergangenheit sehr fruchtbar und man braucht nur etwas in die Erde zu stecken und zwei Wochen danach kann man schon ernten. Das Pflanzenwachstum ist hier durch tropischen Regen und Sonne sehr beschleunigt.
Morice fragt bei ein paar biertrinkenden Jugendlichen nach dem Weg.  Die Antwort: „Geht die Straße entlang und dann bei den zwei Bäumen musst du den Trampelpfad nach unten.“ Klarer Fall, bloß welcher Baum? Morice war hier schon mal und versucht sich zu erinnern. Irgendwann nehmen wir einfach einen Weg. Nach unten. Ein Steiler Abstig vom Bergkamm führt uns in eine kleine Kaffeplantage. Hier sehen wir die traditionellen Highlandhäuser aus Flechtwerkmatten mit Grasdächern. Es gibt runde Hütten und quadratische, welche mit einem Mittelpfosten und welche mit zweien. Ich kann mein Glück kaum fassen, so mir nichts dir nichts in eine so schöne Siedlung zu platzen. Leider konnte ich dort nicht wild herumfotografieren. Das kam mir einfach geschmacklos vor und voll Touri....

Die Leute Hier können es auch kaum fassen und alle schauen uns nach. Uns begegnen Kinder, die winken und lachen und sich einen Jux daraus machen. Und wir begegnen Jugendlichen, die eindeutig mürrisch sind, weil da zwei Fremde ihre Straße entlang gehen. Männer sehen wir wenige und Frauen fast gar keine, weil die Männer arbeiten und die Frauen im Haus sind, oder sich verstecken :).
Mittlerweile haben wir uns ein wenig verirrt. Wie sehen und hören keinen Fluss. Aber der muss hier doch irgendwo sein? Wir fragen uns weiter durch und begegnen vielen Gesichtern. Fast alle freuen sich, wenn man sie grüßt und es wird fröhlich zurück gegrüßt. Kinder kommen angerannt und schütteln einem die Hand. Händeschütteln und Grüßen ist hier sehr wichtig und wird viel freundlicher und häufiger als in Deutschland zelebriert, wie ich schon berichtet habe.
Irgendwann kommen wir an einen kleinen Fluss. Dem folgen wir bergabewerts folgen und stoßen auf einen großen, reißenden Strom. In der Regenzeit würde man wahrscheinlich nicht herüberkommen aber jetzt geht es grade noch.

Überall baden Kinder und Frauen waschen Kleidung. Man amüsiert sich über die Versuche der beiden weißen Langnasen trockenen Fußes über den Fluss zu gelangen. Irgendwann habe ich es satt und steige in das herrlich erfrischende Wasser, mit Wanderstiefeln.... Am anderen Ufer quatscht es bei jedem schritt und Wasserfußabdrücke hinterlassend klettern wir die steile Böschung hinauf. Am Fluss war eine Stimmung wie auf einem Volksfest. Lachen, Spielen, Schwatzen. Hier auf dem Hang war es still. Man hört die Grillen zirpen und entfernt ein paar Zikaden, das Gras wird sanft von einem warmen Wind gestrifffen.
Ich schaue mich um, während Morice wie eine Uhrwerk seinen Schritt beibehält und einen schmalen Pfad entlangschreitet. Wir passieren ein Kaukaufeld von der Größe eines Fußballfeldes. Hier schweift der Blick über die ordentlichen Erdhaufen, indenen die Süßen Kartoffeln wachsen.
Am Ende des Feldes Steht ein strohgedecktes Farmerhaus, aus dessen Dachöffnung sich Rauch kringelt. Friedlich.

Wie schon auf der ganzen Wanderung verweilen wir nicht. Eine Banane im Laufen reicht als Stärkung. Es ist Nachmittag geworden. Die Temperatur steht bei geschätzten 33°C, Die Sonne scheint und die Luft flimmert ein wenig auf dem staubigem Weg. Wir gehen weiter bergab und folgen unserem Trampelpfad, der jetzt ein Weg und weiter vorne schon eine Sandpiste wird. Bald hat uns die Zivilisation wieder. An einem Bewachtem Compound vorbei; Ich sehe meine erste Kuh in PNG. Sie sieht fast wie eine indische Kuh aus. Ob die auch heilig ist?
Weiter die Straße entlang. Dort wo die Straße steiler den Berg hinabführt sehe ich Asphalt und weitere Häuser.
Plötzlich stehen wir vor dem „Pazifik Garden Compound“ des Ministers und wenig später kommen wir die Straße zum „Raunraun-Theater“ und dem Gorokamarkt entland. Wie sind wieder da, wo wir heute gestartet sind. Es ist 15:30 Uhr. Was für ein Nachmittag!





Dienstag, 9. Oktober 2012

Perle der Südsee

International Retreat

Vom 5. bis 8. Oktober 2012 ist das internationale Familien Retreat der Entwichklungshelfer der Kirchen in PNG.
Dieses Jahr war es in Alexishafen in der Nähe von Madang an der Nordküste von PNG. Wir, das heißt die „Highlander“ aus Goroka und Bans, trafen uns am 5. Oktober am Flughafen in Goroka. Am MAF (Mission Airviation Fellowship, www.maf-deutschland.de) – Terminal/Blechhütte wogen wir uns und unser weniges Gepäck, denn wir flogen in einem recht kleinem Flugzeug, genauer einer De Havilland DHC 6 300 Twinotter (wikipedia.org/wiki/De_Havilland_Canada_DHC-6), eines der legendären Buschflugzeuge der kanadischen Bergwacht. Die christliche Fluglinie betreibt davon mindestens zwei in PNG und ein paar kleinmotorige Chesna.

Die Beiden Piloten waren mir sofort sympathisch. Ein ewig lachender und lächelnder Australier und ein junger, süddeutscher Pilot sollten uns fliegen. Doch erst mal gab es Probleme mit der Starterlaubnis, denn das Wetter am Morgen in Goroka war regnerisch und tief bewölkt. Wir riefen unsere Zwischenlandeplätze in Wasu und in Kainantu an. Doch die Antworten waren ernüchternd. Im Dorf Wasu regnete es so stark das man die Hand nicht vor Augen sah und in Kainantu hingen die Wolken auf nur ein paar hundert Meter und es regnete in Strömen.
Trotzdem beschlossen wir zu starten. Denn es sollte sich noch aufklaren. In den Highlands Richtung Küste war es noch einigermaßen ruhig, einige Turbulenzen, aber das ist halt so in den Highlands. Je weiter wir jedoch zur Küste vordrangen, desto regnerischer wurde es. Ein richtiges Unwetter! Und das arme Flugzeug samt Fracht wurde kräftig durchgeschüttelt und von der malerischen Landschaft der Bismarksee sahen wir auch nichts.
Schließlich beschlossen die Piloten „So ging es nicht weiter,“ und in Lae zwischenzulanden und abzuwarten. Für alle, die noch nicht in Lae waren: Lae-International-Airport-Nadzab ist eine Halle mit ein paar Schaltern und einem „Terminalrestaurant“; nichts besonderes.
 Nach eineinhalb Stunden ging es dann immer noch im Regen, aber mit schon viel hellerem Himmel weiter. Nun begann der abenteuerlichste Abschnitt des Fluges. Wir Steuerten auf Wasu zu, einem kleinem Dorf an der Küste, doch wegen der niedrigen Wolkendecke und dem Dauerregen konnten die Piloten nichts sehen. Wir flogen einige Schleifen über der Küste und hielten Ausschau. Dann plötzlich sahen die Piloten einen Bekannten Küstenabschnitt unter uns und gingen Steil tiefer schraubten sich bis eben über den Palmenwipfeln und plumpsten punktgenau auf den „Airstrip“ Wasu dem Fußballplatz der Schule. Doch damit nicht genug, dieser Platz war ja schon eine feuchte Wiese, aber mit den ganzen Regen eine knietiefe Pfütze. Trotzdem schafften es die Piloten schlittert vor den Hütten zu halten.
Wir beklatschten sie wild in unserer Erleichterung sicher gelandet zu sein. Und ich bin echt beeindruckt was für eine Musterlandung die Piloten bei schwierigsten Bedingungen auf dieser Piste hingelegt haben. Respekt!
Wir luden schnell den Arzt und seine nepalesische Frau samt Sohn ein und flogen zum nächsten Dorf, bei dem wir, bei schon ein wenig besseren Bedienungen, das Manöver wiederholten.
Auf unserem letztem Flugabschnitt nach Madang war das Wetter wieder OK, als wenn nichts gewesen wäre.
Dort wurden wir Begrüßt und es ging noch 20 min durch Palmenwald nach Alexishafen. Wunderschön gelegen auf einer Halbinsel ist das Tagungszentrum eine Perle des Pazifik mit, recht komfortablen Zimmern und ausgezeichnetem, abwechslungsreichem Essen. Dort begegnete ich zum ersten mal anderen Volontaire und kam schnell mit ihnen ins Gespräch.
Unsere Aufgabe war die Kinderbetreuung während sich die Erwachsenen Vorträge über Resilienz und Resistenz anschauten und Gruppendiskussionen machten. Zum Essen trafen sich alle und berichteten, was sie erlebt hatten. Am Abend saß man noch zusammen und trank die eine oder andere Cola oder Kokosnuss.
Am Sonntag fuhren alle Kinder, da zwei genau auf dem Wochenende Geburtstag hatten, an den Strand der Malalu-Plantation und wir Voluntaire hängten uns dran. Ein unvergesslicher Nachmittag an einem schwarzem Kiesstrand mit toller Brandung, Kokospalmen, großartigem Blick auf Karkar-Island und dem pazifischen Ozean.
Ich Deutschland hatte ich immer gesagt, dass ich erst angekommen in PNG gleich die nächste Palme erklimme und eine Nuss ernte, doof nur, dass es in Goroka keine Kokospalmen gab. Also musste es an der Küste nachgeholt werden. Kokosnüsse ernten ist ganz schöne Arbeit. Man muss erst auf die Palme rauf, um frische Kulau-Nüsse (Pdg: Grüne Kokusnuss im Gegensatz zur „Drai-Kokosnuss, wie sie in Dt. ankommt) zu bekommen, und dann muss die dicke Faserschicht ab und wenn man das alles geschafft hat, hält man eine knochenkarte Nuss in Händen.


Mein erster Versuch die Nuss zu „Knacken“ bestand darin mit meinem Taschenmesser ein Loch zu bohren, auszutrinken und sie auf einen angeschwemmten Baumstamm zu legen,um sie mit einem Knüppel zu bearbeiten. Die Nuss platzte in alle Richtungen auf und ich hatte Kokossplitter, aber das geht doch besser und eine Nuss für 6 Personen ist zu wenig!
 Also schnell die nächste Nuss mit einem spitzem Baumstamm geschält und nun (mit dem Rat der Voluntaire von der Küste und einem Stein) präzise auf die „Narben“ der Nuss geschlagen. Violá, perfekt gespalten! So konnte man sich die Kokusnüsse schmecken lassen.
Am Abend gab es die Abschlssgala, für die mehrer Leute Spiele, Musikbeiträge und Theater vorbereitet hatten. Sehr lustig, sehr gesellig! Ich selbst beteiligte mich mit einer Poifeuershow zum Abschluss.
Am nächsten Morgen ging es wieder früh zum Flugplatz, diesmal bei strahlendem Sonnenschein, und zurück über die Dörfer und die grandiose Landschaft von der Küste bis ins Hochland.
Ein gelungenes Wochenende!

Sonntag, 23. September 2012

Wanpela de long ples, oder wie man ein „Mumu“ zubereitet

(Pdg.: Ein Tag aufm´ Dorf)

Gestern bekam ich die wunderbare Möglichkeit mit einer furchtbar netten Pastorenfamilie zu einem kleinem Dorf nahe Goroka zu fahren. Es heißt „Asaroka“ und liegt weiter nördlich auf einer Anhöhe mitten im „Gorokatal“, geschützt von hohen Bergen.
Die Hinfahrt war schon ein Erlebnis. Solange ich in Goroka war habe ich immer sehnsüchtig zu den umliegenden Bergen aufgesehen. Nun fuhr ich mitten hindurch, vorbei an kleinen Kaffeefeldern und privaten Rösterei und die Aussicht vom „Highway“ war atemberaubend. So viele schöne Bilder sausten da an einem vorbei, dass ich vergaß zu Fotografieren.
Vom Highway ging es auf eine schmale Sandpiste, wie geschaffen für den Tojota Land Cruiser. In Deutschland habe ich Leute belächelt, die sich große Jeeps und Ofrouder für die Stadt kauften, hier waren sie das einzig zuverlässige Vehikel.
Angekommen im Dorf, das der Probstsitz der Region war, wurden wir wie bis jetzt überall in PNG herzlich empfangen. Dann Schaute ich mir das Dorf an. Zu sehen waren ca. 20 Häuser und eine Kirche mit angeschlossener Schule. Die Häuser bestanden wie für die Highlands aus geflochtenen Wänden und Strohdach, daneben gab es auch Holzhäuser und die kleine Missionsstation, in dessen Garage sich ein echtes Juwel der Missionsarbeit vor Ort verbarg.
Ein uralter gut reparierter Traktor, den katholische Missionare schon aufgegeben haben und der dann nach langem Stehen vom neuem Pastor repariert wurde. Nun rackerte er wie neu die „Bugglpistenakker“ und mähte, pflügte, eggte und was es noch alles braucht um Buschland urbar zu machen. Ich durfte auch mal eine bahn mähen, was bei den meterhohen Ameisenhaufen, die sich im Schneidgras verbargen, keine leichte Aufgabe war, dafür ein echtes Erlebnis. Highlight Nummer eins: mit einem totgesagtem Traktor durch undurchdringliches Buschland zu walzen und es der Urbarmachung näher zu bringen.





Nach der kleinen Fahrstunde mit dem Landmaschienen-Ofrouder. Wurden wir zum „Mumu-“ einräumen gerufen. Mumu ist Tok-Pidgen und Bedeutet, dass man Süßkartoffeln, Wurzeln, Fleisch und Blattgemüse in einem Erdofen gegart, alles natürlich ganz natürlich ohne zu würzen. Das tut man in PNG nicht.
Zuerst macht man ein Feuer und erhitzt Steine aus einem Fluss, die eignen sich besser als Feldsteine habe ich mir sagen lassen. Dann gräbt man ein Loch und füllt den Boden mit ein Paar Steinen aus und bedeckt sie mit Palmblättern. Danach kann man den Erdofen mit dem Grillgut einräumen. Die Schichten werden durch weitere Palmblätter getrennt und mit ein paar weiteren Steinen ergänzt, besonders die Schichten mit dem Fleisch. Es wird fast zuletzt eingeräumt, nur noch von etwas Kumu-Blattgemüse abgedeckt. Dann wird alles mit Palmenwedeln und ganz oben einem Reissack oder einer Folie abgedeckt und mit Erde befestigt. Oben wird die Erde an die Ränder geschaufelt und ein Handtellergroßes Loch in die Abdeckschicht geschnitten. Dort füllt man bei einem „nassem“ Mumu Wasser ein, was von den Steinen verdampft wird und so eine Art Dampfgarer entstehen lässt. Bei einem „Mumu drai“ lässt man das Loch und das Wasser weg. Fertig. Das Ganze sollte mindestens eine Stunde Backen.
Ich hatte an dem Tag nur gefrühstückt und mittlerweile war es später Nachmittag geworden. Es roch verführerisch nach Mumu und man freute sich auf das Festessen das u ehren vom neu angekommenen Sohn und mir veranstaltet wurde. Eine große Ehre. Die nur noch davon getoppt wurde, dass wir Neuankömmlinge als erstes die größte Portion bekamen und in der Familie willkommen geheißen wurden. Gegessen wurde mit der Hand, oder mit dem Taschenmesser. Glücklicherweise hatte man an Salz für die Neuen gedacht. Fast verhungert wie wir waren hauten wir für deutsche Verhältnisse ordentlich rein, aber das ist noch überhaupt gar nichts im Vergleich zu unseren Gastgebern. Der Papa der Familie ging mir knapp bis zu den Schultern und war recht schlank, trotzdem schaufelte er fast doppelt so viel in sich hinein. Und der Premierminister soll mal eine ganze Wäschewanne voll Mumu vertilgt haben. Auf meine Frage wie er das gemacht habe, sagte mir der Papa, es sei alles eine frage der Technik. Man(n) sollte aufrecht im Schneidersitz essen und sich ruhig Zeit lassen.
Ich probierte es. Schaffte tatsächlich noch eine Hühnerbrust, aber unsere Wanne war immer noch halbvoll. Den Rest verschenkten wir an die Familienmitglieder, die noch nicht so viel hatten. Das ist so Sitte, wer genug hat gibt seiner (neuen) Familie ab. Und zur Feier des Tages gab es dann noch selbst mitgebrachten Orangensirup. Ein echt neuguinisches Festessen!
Ich bewundere die freundliche Gastfreundschaft und herzliche Lebensart der Neuguinis, so etwas habe ich außer in meiner eigenen Familie noch nie erlebt und da bin ich ja kein Fremder!
Das erlebt man nicht als Kreuzfahrer oder Hoteltourist, egal wie teuer die Fahrt ist. Für so etwas muss man in den Busch fahren und sich mit den Leuten unterhalten. Man braucht Connections.
Ich bin überglücklich und dankbar, dass meine Pastorenfamilie mir einen solchen Einstig in die Dorfkultur der Neuguinis ermöglicht hat.
Um den Tag perfekt zu machen, ging die Sonne am Abend filmreif über den Bergen, die das Tal begrenzen, unter und bescherte einen perfekten Abgang in rot, rosa und Orange. Nach einem solchem Tag fällt es schwer wieder in den Land Cruiser zu steigen und nach Hause in die Stadt zu fahren. Zum Abschied luden mich die Neuguinis gleich wieder ein. Ich soll gerne wieder vorbeikommen. Das werde ich!

Montag, 17. September 2012

Die Großartige Gorokashow

Fast den ganzen Samstag über war ich bei der Gorokashow, dem größtem indigenem Spektakel der Welt.
Wir, das heist zwei Deutsche Touristen, zwei PNG-Guides und ich, gingen um 8Uhr morgens los, um nichts zu verpassen. Auf dem Hinweg schwermten die beiden Touris vom Spektakel gestern, bei dem sie auch waren und dass es heute noch besser sein müsste. Ich folgte ihnen erst mal und unterhielt mich mit den Guids, von denen ich erfuhr, dass es unter anderem das größte indigene Spektakel der Welt ist.
Angekommen am Festgelände stellten wir fest, dass wir viel zu früh waren und die Kassen noch nicht auf hatten, aber Hilfe nahte.
Sie kam in Form eines schwerbewaffnetem Paramilitär der zum "Mobile Squad" gehörte, einer Spezialeinheit der Polizei. Er sagte uns dass wie einfach durch das hintere Tor gehen sollten und uns drinnen mit Karten versorgen sollten. Und das es nur für Weiße gelte und nicht für unsere Guides. Für mich klingt das schlicht rasistisch. Aber trotzdem kauften meine Begleiter und ich unsere Karten und gaben den Neuguinis die Karten aus, immerhin ist es eine kulturelle, neuguinische Show mit neuguinischen Tänzern für Neuguinis und die weißen sind nur ein gutes Geschäft am Rande.

Wir warteten noch einige Zeit auf die ersten Gruppen, aber so gegen 10 Uhr ging es dann los. Beinahe pausenlos trafen neue Gruppen ein und wir, die wir uns am Tänzereingang postiert hatten, haben super Fotos der Gruppen und der einzenden Tänzer gemacht. Die Gruppen tanzetn und trommelten direkt an uns vorbei!
Später sind wir auch auf Gelände gegangen und haben dem buntem Treiben zugesehn und noch ein paar Filme der Tanzkreise gemacht.


Mit Federn, Fell, Bast und Blättern geschmückte Tänzer aus dem ganzem Land zeigten ihr können und auch ein Weißer war dabei, der bei einer "Mudman-Gruppe" mitmachte. "Mudman" sind so etwas wie die deutschen Pärchten und Raupärchten. Gruselgeister, die in den Legenden und Sagen der Neuguinis herumspuken.
Dieser Tag hatte sich sehr gelohnt und ich kann nur jedem raten sich mit Sonnencreme, Hut, Wasser und Kamera an den Tänzereingang zu stellen, denn später auf dem Gelände trifft man nicht mehr alle Gruppen in Action an.

Donnerstag, 13. September 2012

Erste Bilder

 Die kleine Maschiene mit der ich von Brisbane nach port Moresby flog.
 Das Great Barrier Reef von oben
Meine Aussicht bei schlechtem Wetter

Dienstag, 11. September 2012

Hallo,
vor ein paar Tagen bin ich in Papua Neuguinea angekommen. Das Abenteuer began mit dem Flug her es hat wie aus Kübeln gegossen und das kleine Propellaflugzeug mit dem ich von Morsby herflog wurde ordentlich durchgeschüttelt.
Gelandet in Goroka wurde ich herzlich von meinen Vorgesetzten und zukünftigen Mitbewohnern empfngen.
Ich wohne direkt auf dem Campus des MI in einem kleinem Haus. Alles war anders als ich es mit vorgestellt habe, aber auch irgendwie so wie es sein sollte.

Gleich am nesten Morgen ging das abenteuer weiter:
Nach der langen Reise über 3 Kontinente, durch 10 Zeitzohnen unnd ca 30 Stunden Flug war ich völlig fertig und schlief bis zum Morgengrauen. Plötzlich erwachte ich von einem höllischen Krach. Es hörte sich wie zig Feuermelder an die abwechselnd an- und ausgingen und sich gegenseitig verstärkten. Das ganze war so laut, dass es bequem jede herkömmlige Kreissäge in den Schatten geställt hätte.
Ich fiel fast aus dem Bett und versuchte die Uhrsache des Lärms zu orten. Hatte es Feuer in meiner ersten Nacht gegeben?
Kein anderer schien erwacht zu sein und so legte ich mich wieder hin. "Andere Länder, andere Sitten", dachte ich mir. "Vielleicht der Weckdienst."
Beim Frühstück, bestehend aus Reispfanne vom Vortag, fragte ich was das gewesen sein könnte, aber meine Mitbewohner hatten nichts gehört und gut geschlafen. Seltsam, wie konnten die bei dem Krach schlafen?
Also fragte ich meine deutschen Kolegen. Die wussten relativ bald was es gewesen ist. Zikaden. Und die Neuguinis haben sich schon daran gewöhnt, darum hören sie es nicht mehr. Ich bin da skeptisch, wie kann man sich daran gewöhnen und seelenruhig weiterschlafen?

Die Zikaden hier sind der ideale Wecker für tiefschläfer, jedenfalls wenn man nicht daran gewöhnt ist. :) Sie machen immer ca. um sechs Uhr morgens und gegen Mittag und manchmal auch abens Krach, sodass man immer weiß, wie spät es ungefer sein muss. Deshalb hat die lokale Bevölerng auf dem "Ples" (Tok Pidgen: Dorf, Ort) unter anderem für den Namen der Intsekten das gleiche Wort wie für Essenszeit und Glocke.

Dass nennt man mal naturnahes Leben. Hier sorgt die Natur nicht nur für Wasser und Nahrung, sondern auch für die Weck- und Essenszeit.

Soweit meinen ersten Eindrücke aus PNG.