Dienstag, 12. Februar 2013

Trauriges Beispiel

Viele Medien in der ganzen Welt haben darüber berichtet, dass letzte Woche eine Hexenhinrichtung in Mt. Hagen in der Province Southern Highlands stattfand.

Ein trauriges Beispiel für den Aberglauben hier in Papua Neuguinea sind die Sangum-Morde, wo Menschen, häufig Familienmitgliedern, vorgeworfen wird für die Krankheit oder den Tod eines anderen verantwortlich zu sein und ihn mit Hexerei herbeigeführt zu haben.
Der Glube an Magie (Schwarze=böse oder Weiße=gut) ist tief verwurzelt. Und fast jeder Neuguini glaubt  auf die eine oder andere Weise daran. Es gibt zwar Gesetzte, aber die wurden auch nur von einem Palerment gemacht, deren Mitglieder im Sumpf des Hexereiglaubens verloren gegangen sind.
Deshalb lauten die Gesetzte: Hexerei ist Strafbar, Anschuldigungen aber nicht!
Die meisten Sanguma-Morde werden nicht vervolgt, weil sie von der Bevölkerung vertuscht werden, oder die betreffende Familie Freunde bei der Polizei hat.
Dieser Fall wird nur wegen des Medienrummels Verfolgt, aber ob es die Richtigen trifft ist bestreitbar und ob das eswat nützt noch viel mehr! Man müsste noch viel mehr Aufklärungsarbeit leisten, aber grade in die ländlichen Regionen sind schwer zugänglich, weil die Infrastruktur noch nicht so weit vorgedrungen ist.
Hier könnt ihr den Spiegelartikel zum Fall lesen.
Die Beiden Zeitungen, die im Land darüber berichtet haben, heißen "Wantok" und "National", vielleicht könnt ihr da etwas googeln.

Dienstag, 5. Februar 2013

Sanguma in Paradise

Patrol long Ples

Am Sonntag den 02.02.2013 war ich mit meiner Mentorin Verena auf „Patrol“, also auf Kirchenbesuch in der Region. Auf Patrol gehen ist noch von den ersten Missionaren in den 1930er Jahren als die Highlands entdeckt wurden. Da sind die Missionare herumgewandert, durch das Buschland und haben die ersten Gemeinden und Schulen besucht, dann wurde getauft und gepredigt und dann ging es schon wieder weiter. Die Neuguinis, die sie begleiteten nennt man Wokman oder Wokmeris, das heißt (Mit-) Arbeiter, Angestellter auf Tok Pidgen.
Wir sind mit dem Landcruiser in nordwestlicher Richtiung aus Goroka heraus gefahren und bis fast an die Grenze von legendenumwobenen Simbu (sprich: Tschimbu). Im Simbu, so sagen die Leute aus Goroka gibt es viel mehr Magie und Hexenverfolgung als in Goroka (woanders sagen die Leute ist es immer schlimmer, aber am meisten ist es immer in den höhergelegenden Highlands schlimmer) und so manche Lagerfeuergeschichte wird erzählt indem berühmte Zauberer vom Simbu Leute verhexen, von fliegenden Magiern und schwarz magischen Ritualen. Aber mein Direktor Rev. Jack Urame erzählt auch, das es dort sehr schöne Pfade durch die Berglandschaft gibt und das Wasser überall trinkbar ist. Jedes Dorf hat dort seinen eigenen Wasserfall zum Duschen. Ein Trekking-Schlaraffenland!

Die Fahrt dauert gute 45 Minuten. Wir fahren den Highway in Richtung Hagen und biegen dann von der (in Deutschland wohl schlechte Landstraße genanntem Straße) auf eine Schlammpiste (so wie hier gibt es die nicht in Deutschland- Unbeschreiblich) ab und Kuppeln erst mal den Allradantrieb mit dem Vorschaltgetriebe ein. Leider wissen wir auch nicht so genau wo dieses Dorf liegt, dass wir heute besuchen wollen. Denn obwohl es aus der Luft nicht so aussieht ist fast jeder Fleck rund um Goroka besiedelt und unter einem Blätterdach liegen ungezählte Hütten und Wege.
Wir halten bei ein paar Frauen an, um nach dem Weg zu fragen. Sie erzählen, dass sie gute Lutheraner sind und uns gerne den Weg zeigen wenn wir sie bis ins Dorf mitnehmen. Mit Verenas einladender Art werden sie hereingebeten und wir haben fünf schnatternde Frauen auf dem Rücksitz. Sie lohzen uns durch den Busch auf schmalen Wegen und über waghalsig, alte Brücken. Die können doch gar nicht halten, oder?!
Sie halten. Und kurz vor der Kirch des Dorfes steigen die Frauen aus und gehen ihrer eigenen Wege,nicht zur Kirche. „Von wegen guten Lutheranern!“ Sagt Verena, „Hier gab es mal eine tolle große Gemeinde, aber der Pastor ist alt und macht nichts mehr, außer die Leute zu schimpfen, dass sie nicht zum Gottesdienst kommen. Da kommt dann auch keiner mehr!“ Erzählt sie. Und auch, dass es hier seit etwas zehn Jahren auch die Babtisten, die Katholiken und andere Christen gibt. Früher alles Lutheraner.
Bei der Kirche werden wir ehr misstrauisch als freudig begrüßt. Aller: „Was wollen die Weißen hier und warum besucht uns eine Pastorin?“ Denn in Neuguinea gibt es keine Ordinierung für Frauen, Verena hat sich in den Jahren ihrer Arbeit hier das Privileg erarbeitet zu predigen. Den ganzen Gottesdienst kann sie nicht halten, aber wenigstens darf sie nicht nur vor Frauen predigen. In diesen und anderen Dingen ist Neuguinea noch sehr rückständig.
Das Klima bessert sich nachdem wir einfach auf die Neuguinis zugehen und die Leute umarmen, das tut man in den Highlands mit Jedem. Die Neuguinis tauen sofort auf und das Pidgen, dass wir sprechen, hilft auch weiter. Verena erklärt, dass sie hier heute auf Kirchenbesuch ist und wir gerne mit Gottesdienst feiern wollen. Ich erkläre, dass ich nicht Verenas Kind bin, sondern ein Volunteer aus Deutschland. Immer wenn ich mit Meinen Mentoren in ein Dorf komme, denken die Leute ich sei ihr Kind, wer sollte ich auch sonst sein? Die Männer beginnen sich für mich zu interessieren und drei Frauen nennen mich schon „Pikinini bilong mi“ (Mein Kind). Das Eis ist gebrochen. Ich schwärme von den Highlands und erkundige mich, ob ich mich hier auch nach dem Gottesdienst umsehen kann. „Natürlich, du bist doch einer von uns!“ Kommt die Antwort.
Im Gottesdienst predigt Verena unterstützt mit meinem wenigem schauspielerischen Talent über Gefangene im Gefängnis, die eines Tages von einem Fremdem freigelassen werden und sich freuen. Im Übertragenem Sinn, dass Jesus aus dem Gefängnis der Angst heraus hilft. Angst vor der Mutter, weil man essen geklaut hat, Angst vor schwarzer Magie und Sanguma, Angst vor dem Ehemann, der einen schlägt.
Harte Themen!
In diesem Dorf gibt es grade wieder viel Gerede um einen kürzlichen Tod. Und man vermutet Sanguma (schwarze Magie) dahinter. Bei solchen Vermutungen gibt es wie bei uns im Mittelalter dann richtige, meist, Hexenverfolgungen (auch Zauberer-), Folterungen und Feuerhinrichtungen. Grausam, aber leider auch fast alltäglich in PNG.
Den Zahn zieht Verena ihnen jedenfalls gründlich und nach der Kirche hat die Gemeinde viel Gesprächsstoff und möchte mehr davon hören. Verena bekommt drei Kohlköpfe und viele Bananen, damit sie sich noch etwas dazusetzt und erzählt. Damit hat Verena gerechnet und fährt eine moderierte Diskussion über Magie gegen die falschen Anschuldigungen auf, mit der Bibel als Bezug. „Das klappt manchmal.“ Sagt sie, „Aber manchmal machen sie, nachdem wir weg sind, einfach da weiter, wo sie aufgehört haben.“ Ich bin zuversichtlich. Im Gottesdienst habe ich ein paar echte Highländer-Kerle und bärtige Highlander-Frauen gesehen, die still vor sich hin geweint haben, weil sie Verenas Predigt so rührend fanden. Und als der Pastor die Ankündigungen den sogenannten „Tok Save“ gibt, bekommen wir beide je ein schönes Bilum (Umhängetasche), als Zeichen ihrer Wertschätzung geschenkt. Ich werde gleich noch mal adoptiert. Mittlerweile habe ich hier mindestens so viel Familie wie in Deutschland.
Solche Kontakte sind wichtig, wenn man wiederkommen will, oder mal eine Trekkingtour durch den Busch machen möchte, oder auch wenn Straßenräuber einen im Auto anhalten und Wegegeld wollen. Wenn sich dann herausstellt, dass man in der Line von ihnen ist und dann auch noch als Freiwilliger, oder sogar Missionar sind, ist es den meisten Räubern so peinlich, dass man ziehen darf. Wenn man die jedoch nicht kennt, dann kann es schon brenzlig werden. Deshalb bin ich froh, dass ich in diesem wildem, magischem Land so viel Familie habe.
Ich mache mich nach der Kirche mit einem Jugendlichen auf den Weg durch das Dorf. Wir unterhalten uns über die schönen Highlands und das schöne Dorf. Immer Bergauf begegnen wir dauert Leuten. Alle werden gegrüßt. Ist ja schließlich meine neue Familie. Und allen Männern und vielen Frauen wird die Hand geschüttelt. Wir Weißen sind das neue Gesprächsthema und mein Begleiter ist sichtlich stolz, dass er mich vorstellen darf. Auf dem Aeg zur katholischen Schule auf dem Berg kommen wir an seiner ganzen Line vorbei. Ich frage ihn langsam etwas über den Toten und Sanguma aus, ohne das Wort zu erwähnen, denn er wird wieder verschlossener. Man vertraut mir nicht und ich stoße auf eine Mauer von Misstrauen und Nichtwollens. Das Thema scheint noch zu frisch zu sein. Besser wieder über alltägliche Plaudern.
Was ich hier das erste mal fotografisch festhalten konnte ist, das hier die Männer und Frauen unter sich Händchen halten, aber niemals mit Andersgeschlechtlichen, höchstens mit den Eltern.
Und Ich finde auch Beweise für den verschwenderischen Gebrauch von Chemikalien beim Kaffefarmen.
Gegen Nachmittag bin ich wieder bei der Kirche, wo Verena mit den Hedman und Hedmeris noch Jesus und das Gefängnis bespricht. Es scheint wirklich zu wirken, die Dorfleute sind fröhlich fast enthusiastisch und wollen gleich alle Sangumas bebeten, um so den Zauber aus ihrem Dorf zu vertreiben. „Besser als foltern!“ Denk´ ich mir trocken.
Die Rückfahrt ist etwas leichter. Wir kennen den Weg zum Highway zurück und den meisten größeren Matschpools können wir ausweichen.
Lehrreicher Tag!

PS:
*Werbeblog* Wer mehr über Sanguma in PNG lesen möchte sollte sich das Buch "Sanguma in Paradise" von Franco Zocca (Melanesian Institute (www.mi.org.pg)) bestellen. *Werbeblog beendet*



Mittwoch, 9. Januar 2013

Zurück an der Küste

Weihnachten an der Küste

Am 16.12.12 sind die zwei Freiwilligen Philipp und Tim von der Küste und ich in ein PMV (Überlandbuss) gestiegen und mit ca. 20 Neuguinis fröhlich den Highway runter nach Madang gefahren.
Die Fahrt war schon ein kleines Highlight für sich. Den Weg bis Unkarumpa, dort wo ich den 1. Advent erlebt habe, kannte ich ja schon. Aber danach kommt man aus den Highlands heraus und fährt durch das Ramutahl und Durch die Hügel an der Küste.
Das Ramutahl ist nach dem Fluss Ramu benannt der sich tief in die lehmige Erde dort gefressen hat. Im Tal lebst wird viel Landwirtschaft betrieben: Zuckerrohranbau, Ölpalmen und etwas Rinderzucht. Die Große Firma dort heißt Ramusugar, oder Ramuoil. Sie Gehört zu den größten in PNG. Ich habe schon Viel schlechtes über den Anbau von Ölpalmen gehört. Beispielsweise wie auf den Philipinen, wo sie den Regenwald roden und „degenerierte“ Flächen zu Nutzflächen mit Monokulturen ummodeln. Darum fahre ich mit gemischten Gefühlen an den Reichen immer gleich aussehenden Palmen vorbei. Den Menschen von Ramus hat die Landwirtschaft Arbeit gebracht und wohl auch Infrastruktur, denn die Straßen hier sind besser als auf dem ganzen Highway sonst.
Nach dem Ramutahl kommen wir in einen Lidstrich, der mich an das Auenland vom „Herrn der Ringe“ erinnert. Kleine grüne Hügel und etwas Buschwerk, nur die Bananen und Kokospalmen stören das Bild. Hier beginnt der Kokosgürtel, der sich fast ohne Lücken einmal komplett um Neuguinea schließt. Überall au der Insel werden Kokospalmen angebaut oder sie wachsen dort wild.
Mit Tim eine Kaukau (Süßkartoffel) im PMV essen.
Auch die Häuser sehen anders aus als in den Highlands. Hier bauen die Leute auf Stelzen um dem sinnflutartigen Regen zu trotzen, der hier alle Nas´lang fällt. So auch heute. Zwischenzeitig kann man kaum sehen und die Straße wird auch wieder schlechter, nachdem wir das Ramutahl verlassen haben. Je schlechter die Straße, desto wilder die Natur. Wir fahren nun durch mit Regenwald bestandene Hügel (muss ich sagen, denn hier sind wir lange unter 1000m der Highlands). Grün in allen Schattierungen umgibt uns. Ich sehe Vögel kreisen und Versuche zu erkennen um was es sich handelt. Wahrscheinlich ein Papagei, oder so, sagt der Fahrer. Wir halten immer mal wieder an und nehmen einzelne Leute mit zum nächsten Markt, die am Highway in fast jeder kurve zu finden sind. Kleine Stände aus Bambus an denen es meist Gurken, Kumu (Blattgemüse), und Maggibrühwürfel gibt. Am Guten Märkten gibt es dann noch warme in Fett gebratene Brötchen und Mangos.
Unsere Fahrt durch den Djungel endet abrupt an einem Fluss. Hier sollte eigentliche eine Straße sein. Komisch! Wir sind nicht die einzigen und Steigen aus um uns mit den anderen Gestrandeten die überflutete Straße anzusehen. Auf beiden Seiten stehen die kleinen PMV-Busse und einige LKW´s mit Kokosnüssen oder noch mehr Leuten. Man beredet was zu tun sei, aber so richtig tun will dann keiner. Schließlich entscheiden die mutigen Landcruiserfahrer durch den Fluss zu fahren. Ein paar Neuguinis gehen voran und erkunden wo die Straße gewesen ist. Die Landcruiser schaffen es. Also versuchen es auch ein paar andere. Langsam kommen die Schlangen von Autos auf beiden Seiten in Fahrt. Wir stellen uns an den Fluss und winken im Reißverschlussverfahren die Autos von beiden Seiten rüber und ordnen das Chaos. Philipp ein Freiwilliger von Karkar nimmt die Sache in die Hand. Er war schließlich bei der Feuerwehr!
Irgendwann hat sich der Verkehrsknoten gelöst und wir steigen auch wieder ein. Die Fahrt geht weiter. Nun fast ereignislos bis wir in Madang ankommen. Dort werden Wir von Pastor Hans aus Amron Abgeholt. 20 Minuten später schmeißen wir unsere Globetrotterrucksäcke in die Ecke von Tim´s Haus und sind froh den ersten Zwischenstopp erreicht zu haben. Ein Anstrengender Tag, obwohl man doch kaum was gemacht hat...
Madangmarket zum Großeinkauf
Am nächsten Tag treffen wir noch Tanja aus Finshhafen und lassen uns von Hans nach Madang fahren. Dort kaufen wir für eine Großfamilie Freiwillige ein und besteigen ein Speedboad nach Karkar- Island.
Das Wetter ist trüb und die Fahrt ist sehr rau. Wir springen mit den fliegenden Fischen um die Wette und kommen nass und durchgeschüttelt am Strand in Karkar an.
Wir werden von Dr. Tanja Ile (aus Itzehoe) abgeholt und fahren mit Sack und Pack nach Gaubin Hostpital, wo die Freiwilligen von Karkar stationiert sind. Sie unterrichten die Kinder der Ärzte und helfen tatkräftig im Workshop des Krankenhauses mit.
Das Krankenhaus hat ungefähr 150 Patienten und 3-4 Ärzte. Die Iles (Chris und Tanja und einen Madagassi Arzt der sich Roger nennt, da man seinen Namen nicht aussprechen kann und hin und wieder einer vom Festland).
Hier werden alle Operationen im nicht sterilen Op durchgeführt erzählt Dr. Chris. Die Lampen des Op sind grade zur Hälfte ausgefallen, oder der Generator will mal nicht anspringen, deshalb braucht er manchmal eine Taschenlampe. Dass es hier nicht steril ist, ist nicht so das Problem. Für die meisten Eingriffe braucht man keine sterile Umgebung. Viel schwerwiegender ist, das die Männer von Hausmeister-Workshop immer die Arzthandschuhe klauen um damit Gartenarbeit zu machen. Später beim Baden sehe ich einen Dreibeinturm im Wasser stehen, der zum Fischen ist, der aus Op-Schläuchen zusammengebunden ist...
Auf Karkar ist das Leben gut. Es ist nur etwas heiß 36°C mit 100% Luftfeuchtigkeit, aber ansonsten ist es traumhaft. Wir gehen jeden Tag schnorcheln im hauseigenem Riff am schwarzem Stand von Gaubin und unternehmen Ausflüge zu den Goudirs. Die Goudirs sind die geheimen Könige von Karkar. Paul und Babara sind ein Neuguini/Aussi-Deutsches Ehepaar, denen eine gigantische, kombinierte Kokos-Kakau-Plantage gehört. Babara führt uns herum und zeigt wie die Kakaubäume in der Baumschule heranwachsen und später in Lücken in der Plantage gepflanzt werden. Hier wird auch Kakau veredelt.
Weiter geht es in die Kokostrocknung. Hier wird die Nusshälfte auf Trockenrosten über einem Feuer aus trockenen Kchalen getrocknet. Das Ergebnis heißt Kobra und schmeckt haargenau wie Bounti. Am Ende der Führung schauen wir uns noch die fertigen Kakauschoten an und gehen in die Kakautrochnung. Dort probieren wir 100% Kakau. Viel besser als jede Zartbitterschokolade!
Besser as Zartbitter: Rohkakau
Eine Kakauschote
Paul Fährt mit uns zum Riffschnorcheln und Tintenfischjagen auf ein Riff vor der Küste. Das Wasser ist kristallklar. Auf dem Riff ist es nur 3-4m tief, aber danach geht es eine Unterwasserklippe ins unbestimmbare Blau des Pazifik hinunter. Ich probiere wie weit ich hinunter tauchen kann, muss aber feststellen dass ich nicht mal mit größter mühe und mehrmaligem Druckausgleich den Grund sehen kann. Das einzige was passiert ist ein kribbeln in den Füßen und der Wunsch ganz schnell wieder nach oben zu kommen. Auf dem Riff leben unheimlich viele Fische. Ich sehe Clownfische, Doktorfische, Kugelfische, bunte Seesterne und viele andere, die ich nicht kenne und einmal sogar einen Hai, der grade noch sichtbar durch mein Sichtfeld schwimmt. Am Ende des Tages haben wir einen großen Tintenfisch mit der Harpune geschossen.
Paradisstrand auf Karkar
Wir besuchen auch ein Dorf, indem das für PNG typische Holzschnitzerhandwerk ausgeübt wird. Ein Dorf wie aus dem Bilderbuch mit türkisfarbenem Meer und weisem Strand. Das ist selten für Karkar. Sonst sind hier die Strände schwarz, weil die Insel eigentliche ein Vulkan ist und das schwarze Vulkangestein hier dominiert. Ansonsten bereiten wir unser Freiwilligen Weihnachten vor. Wir machen eine Ofenente mit Kartoffelklößen, Bohnen und Buttergemüse. Alles frisch und vom Madangmarkt mitgebracht, weil es auf Karkar nur Kokos, Fisch und Buai (Betelnuss) gibt. Hier wächst halt nichts. Unser Weihnachtsessen ist super, aber es fühlt sich trotzdem anders an, nicht wie Weihnachten. Weihnachten ist doch immer kalt und winterlich, aber hier liegen wir am Heiligabend-Nachmittag am Strand und Schauen aufs blaue Meer. Der Gottesdienst ist auch anders. Wir Weißen verkleiden uns als Maria, Josel, Könige, Schafe und Ochs und Esel und singen „Stille Nacht“ auf Deutsch und in der Sprache des dominierendem Stammes auf Karkar. Die Anderen Gruppen in der Gemeinde machen auch etwas vor. Singen, Schauspielen oder ein richtiges „Singsing“ (traditioneller Tanz) mit Kundu-Trommel und Bastrock. Da man hier in PNG bei solchen Gelegenheiten bloß niemanden vergessen darf dauert der „Gottesdienst, der eigentlich keiner ist, fast 3 Stunden.
Unser Weihnachtsbaum mit Geschenken in Gaubin
Nach den Weihnachtsfeiertagen fahren wir nach Madang zurück, auch wieder mit einem offenem Speedboat. Das Wetter ist besser, aber ich bin trotzdem nasser, wegen den hohen Wellen vor der Küste.
In Madang wollen wir einen Tauchkurs machen, aber der Tauchlehrer steckt auf Fidji fest und so machen wir Ferien in Amron bei Tim im Haus und fahren zum Baden ins Jais Alben Resort. Dort kann man herrlich unter sonnenschirmchen sitzen sich über den einheimischen Tuch dort freuen und sein Weißsein mit einem kühlem Bier feiern. Wir treffen nur fette Weiße und ein paar snobbige Neuguinis. Aber da es grade nicht anders geht machen wir das Beste daraus und schnorcheln nach dem versenktem Wrack eines Bombers, das im Weltkrieg II hier abgeschossen wurde. Ich glaube es ist ein Japanisches Flugzeug, aber sich bin ich mir nicht.
Und Irgendwann ist auch wieder Silvester. Wir Freiwilligen feiern mit den Missionarys und Ärzten die aus dem deutschsprachigem Ausland kommen in Alexishafen, dort wo auch der Retreat war. Wir Wechseln uns mit dem Kochen ab. Spielen mit den Kids und bereiten den Festabend vor. Es gibt ein Programm für das jede Familie ein musikalischen Beitrag oder ein Spiel vorbereitet hat und am Ende mache ich um 12 Uhr eine kleine Feuershow. In PNG gibt es überhaupt kein Feuerwerk. Ich habe sonst immer Silvester im Pulvernebel verbracht, aber diesmal gibt es bloß ein paar am Knallfrösch von Goudirs. :)

Feuershow






Das Neue Jahr wird entspannt begangen und am 4. Fahre ich wieder zurück nach Goroka.
Was für Geniale Weihnachtsferien!



Sonntag, 2. Dezember 2012

1. Advent

Kontraste

Am 01.12.12 Bin ich mit dem Gefühl aufgewacht gleich jemanden zu erschlagen Marius hatte die große Weihnachtsstimmung gepackt und musste es mit den extra lauten Boxen um halb sechs Uhr morgens kundtun – Neuguinis stehen früh auf...
Nach einem Frühstück mit selbstgemachter Leberwurst und Mettwurst aus der eigenen Produktion war ich dann für den ersten Dezember gerüstet. Am 30.11 hatten Thomas und ich 25 Kilo Wurst gemacht, viel Mett- und 30 Gläser Leberwurst.

Trotz Marius Musik und der vielen, kitschigen Weihnachtsdekore bei den vielen Läden in der Stadt kommt bei mir nicht so die große Weihnachtsstimmung auf. Irgendwie passt das nicht. Es sind 30 Grad und mehr und ich sehe Palmen und viel Buschland in vollem Grün. Klar, das Weihnachtsstimmung schwer fällt.

Gegen Mittag bekomme ich die SMS: „Sind Eisessen in Goroka. Kommen gleich rum.“ Die Freiwilligen von der Küste kommen für ein Wochenende in die Highlands und wir treffen uns bei einer zünftigen Brotzeit.
Sie wollen am Abend nach Unkarumpa zur der Amerikanischen Missionsstation und das Weihnachtskonzert der Schule sehen. Ich entscheide mich spontan mitzukommen.
Also finde ich mich kurze Zeit später auf der Ladefläche eines Pickups mit fünf weiteren fröhlichen Freiwilligen wieder. Wir düsen so schnell es der Highway mit seinen tückischen Schlaglöchern zulässt hinunter nah Unkarumpa. Auf dem Weg ist viel zu erzählen. Aber immer wieder bricht ein Redeschwall ab, weil ein LKW in Sicht kommt: „Hupen!“ Rufen wir und machen die Hupe, um dem Fahrer zu signalisieren was wir wollen. In neunzig Prozent aller Versuche werden wir mit einer lauten Hupe belohnt und der Fahrer wird bejubelt. Ja, wir habenen unsren Spaß!

Die Landschaft, durch die wir fahren ist atemberaubend. Bewaldete Hänge und kahle Berge wechseln sich mit weiten Ebenen und Kaffeefeldern ab. Je weiter wir uns von Goroka entfernen, desto kahler werden die Berge. Tausende Jahre von Shifting Cultivation hat sie ausgelaugt und das andauernde abbrennen hat ihnen jeden Baum genommen. Übrig geblieben ist Kunaigras, ein buschiges Schneidgras, mit dem die Dächer vieler Häuser gedeckt werden.

Am Highway gibt es dort, wo man gezwungen ist langsamer zu fahren, kleine Bamushütten, bei denen man Navykekse und Gemüse kaufen kann. Überall winken uns die Leute zu. Man wundert und freut sich über die lustige Horde Weißer,die da auf dem Pickup sitzt.

Angekommen in Unkarumpa falle ich aus allen Wolken. Man hat mir zwar erzählt, dass es hier sehr westlich sei, aber auf Little-USA war ich nicht vorbereitet. Wie kann es in so einem wildem Land Kinderwagen und Golfautos geben? Warum gibt es hier Staßenschilder und lamettabehängte Weihnachtsbäume?
Nach meinem ersten Schock gewöhne ich mich daran, dass man hier, wenn man das Tor passiert, in einem Vorort von Washington landet. Unkarumpa ist eine Missionsstation der Amerikaner im Land, die hier zum Bibelübersetzten sind und Sprachstudien der vielen Sprachen in PNG machen.
Wir waschen uns den Staub im Fluss ab, wenigstens das ist normal. Ein Schwimmbad hätte mich überfordert.
Nach dem erfrischendem Bad gibt es deutsches Abendbrot mit echtem Graubrot und Aufschnitt. In PNG fällt es schwer deutsche Brotsorten zu finden. Es gibt meist nur flauschiges Weißbrot. Nach dem Essen geht es gestärkt zum Weihnachtskonzert. Es werden natürlich amerikanische Weihnachtsschlager von der School-Bigband gespielt, ein talentiertes Saxophon-Quatett gibt noch etwas Jazz zum Besten und ein Schulchor schließt mit „We wish you a merry Christmas!“ ab. Verwirrend, bei 33° C, Palmen und ohne Schnee und Weihnachtsärkte!
Aber ich sollte aufhören mich über alles zu wundern. Immerhin bin ich im Land des erwarteten Unerwartetem. Hier kann man nicht wissen, was einem im nächsten Tal, oder Moment, oder hinter der nächsten Ecke passiert.
Wir lassen den Abend in einer gepflegten Spielrunde ausklingen (Munshkin). Und irgendwie ist durch den krassen Weihnachtskontrast der Amerikaner doch Weihnachtsstimmung aufgekommen.
Ich werde bald Kekse backen und Pakete packen und dann ist schon Weihnachten!
Morgen am 1. Advent geht es mit einem PMV (kleiner, überfüllter Tojota/Isutsu-Überlandbus) zurück nach Goroka. Aber wer weiß schon was noch kommt? ;)



MI im Raunraun

 Kino im Raunraun-Theater

Freitag, 30. 11.12, Goroka

Mein Blog liest sich bis jetzt wie eine Urlaubserzählung, um dem Irrglauben entgegen zu wirken, dass ich nur Urlaub mache, gibt es hier etwas von der Arbeit des MI in Goroka.

Am Freitag war im Rahmen des Weltaidstages im Raunraun-Theater in Goroka eine Filmpräsentation zum Thema „Hman Rights“. Gezeigt wurden Filme von Kommunen und Projekten, über Musikunterricht in den Dörfern, Aidshäuser, den Verlust der Traditionen und wie wichtig sie sind.
Das MI wurde dort durch einen Bücherstand vertreten. Wir haben alle Bücher zum Überthema „Human Rights“ mitgebracht und in den Pausen zwischen den Filmen verkauft. Andere NGO´s wie zum Beispiel die australische „Book bilong Pikinini“ (Schulungsprojekt für Kinder), oder die „Lok bilong Pikinini“(Rechte für Kinder) haben sich dort auch präsentiert. Das Filmfest wurde von UNICEF-Human Rights vorbereitet.
Die Botschaft war, dass man seine Rechte kennen soll und danach handeln soll und letztendlich selbst verbreiten soll.
In Papua Neuguinea gibt es noch viele Verstöße gegen die allgemeinen Rechte der Menschen. Viele werden ungefragt verheiratet, geschlagen und zu unrecht eingesperrt. Um dem entgegen zu wirken haben UNICEF und die NGO´s von Goroka ein Wochenende das Raunraun-Thheater gemietet und aufgeklärt und verbreitet. Meiner Beobachtung nach war es ein Erfolg, da viele Neuguinis dort waren und sich bei den NGO´s informiert haben. Für das MI war es auch ein Erfolg, da wir unsere Bücher an den Mann/ Frau gebracht haben und weitere Werbung für das Melanesian Institute gemacht haben.



Mittwoch, 28. November 2012

Buschland

Wanderung zum Wasserfall

Am Samstag den 24.11.12 wollen eine Freiwillige aus England, drei gleichaltrige Neuguinis aus Asaroka und ich zu einem Wasserfall im Djungel wandern und danach im Haus von Bigman Daniel schlafen. Am So lassen wir uns nach der Kirche wieder im Busch abholen und nach Asaroka bzw. Goroka fahren.
Für mich beginnt das Abenteuer am Samstag um 8:30Uhr. Erst geht es zum Supermarkt (Papindu), um Reis, Tee, Kakau, Zucker, Salz und Thunfisch als Mitbringsel einzukaufen, dann nach Asaroka. Dort holen wir unsere neuguinische Verstärkung ab. Ein Junge in meinem Alter und zwei Schwestern. Alle sind total gespannt und freuen sich, dass es am Wochenende mal etwas abwechslungsreicher im Dorf zugeht. Wir bleiben nur kurz in Asaroka, um die Neuguinis einzuladen, dann fahren wir in Richtung Dorf Wande. Die Straßen links und rechts von Highway sind, wie ich schon berichtet habe, nicht so besonders gut, diese Straße verdienst den Name nicht. Es ist eher ein Trampelpfad aus Wurzeln und Schlaglöchern, aber für den Landcriuser kein Problem. Wir stellen das Auto an einer Furt ab und Springen über die Gehsteine ans andere Ufer, dort setzten wir die Rucksäcke auf und gehen immer bergauf nach Wande.
Wande liegt auf einer Bergnase, die ins Gorokatal hineinragt. Die steilen Hänge links und rechts sind dicht mit Kaffeefeldern bedeckt, oder werden für kleine Selbstversorgergärten mühsam beackert. Die Häuser im Dorf sind wie alle im Busch aus Kunaigras und Bambus. Also die Typischen Kunaihütten aus Neuguinea. Das einzige Wellblechhaus ist die kleine Kirche.

Im Dorf werden wir von Bigman Daniel begrüßt. Er freut sich riesig und lädt uns erst mal in sein Haus ein und stellt uns der Verwandtschaft im Dorf vor. Viele neuguinische Gesichter werden uns Besuchern vorgestellt. Man kommt kaum selbst zum reden, dauernd kommen neue Papas uns Mamas, die einem die Hand schütteln wollen. Alles unheimlich freundliche Leute. Papa Daniel möchte den Wasserfall und den Djungel für ein Turismusprojekt nutzen. Er und seine Familie bieten dann geführte Touren zum Wasserfall an und am ende gibt es noch ein BBQ im Dorf. Dafür braucht er Gelder von der Regierung und er möchte den Wald zu einem Naturschutzgebiet ausbauen. Ich habe einen Brief mit einer Beurteilung von einer deutschen Pastorin mit, um dieses Projekt zu unterstützen und den Wald für die Regierung als Naturschutzgebiet zu empfehlen. Daniels Plan ist lobenswert und als Bigman mit Einfluss sieht der Plan auch machbar aus.
Lange verweilen wollen wir aber nicht, wir wollen noch zum Wasserfall. Daniel sagt und, dass er wegen seines schlimmen Knies nicht mitkommt, aber er schickt einen Sohn mit und ein paar Kinder aus Wande schließen sich mit an. Wir gehen durch die Kaffeegärten bergauf. Immer wieder begegnen wir Leuten, die uns fröhlich begrüßen. Typisch neuguinisch werden wieder viele Hände geschüttelt. Wir kommen vorbei an Hütten und Häusern, an einer runde Männer, die Bingo mit Kaffeebohnen spielen, während der frisch geerntete Kaffee in der Sonne trocknet. Man grüßt und geht weiter. Ab und zu kommen Ziegen, oder Schweinefamilin aus dem Gehölz am Weg. 
Diesem Dorf scheint es gutzugehen. Tiere und speziell Schweine sind ein Indikator für Wohlstand in Neuguinea. Die Sonne scheint warm und es weht ein leichter Wind über den Bergkamm und wir gehen immer höher. Bald haben wir die Dorfgrenze überschritten und kommen nur noch vereinzelt an Kaffeesträuchern vorbei. Die Natur um uns herum wird wilder. Hier stehen Bambus und Kiefern und dazwischen Palmen, auf denen man die schmackhaften Karukunüsse findet. Der Fruchtballen sieht aus, wie ein eingerollter Igel. Er wird mit einer Machete aufgeschlagen und dann kann man die Fingerdicken und -langen Nüsse aus dem weichem Fruchtfleisch puhlen.
Man kann sie über dem Feuer grillen, oder gleich essen. Wir nehmen uns ein paar Ballen als Picknick mit.
Der Weg ist nur noch ein Trampelpfad und im Schatten, wo er von der Sonne nicht getrocknet wird, ist er tief vermatscht. Man versinkt bis zum Knie im Matsch. Wir ziehen unsere Sandalen aus und gehen barfuß. Schuhe haben hier einfach keinen Sinn! Wo der Matsch zu tief ist liegen Steine und Äste und wir balancieren durch den Wald, der immer mehr zum Djungel wird. Wenn man so auf den rutschigen Ästen balanciert, fälllt natürlich mal jemand in den Matsch. Das wird mit großem Gejohle begleitet. In Neuguinea ist man grundschadenfroh, wenn jemandem etwas dummes passiert, oder hinfällt wird ihm nicht aufgeholfen, sondern man lacht ihn aus und freut sich, dass es nicht einem selbst passiert ist.
Diese Seite der Neuguinis gefällt mir nicht so gut, warum hilft man nicht?
Unser Trampelpfad endet an einem Fluss. Der ist schon der Fluss, der zum Wasserfall gehört erzählen uns die Jungs aus dem Dorf. Wir springen von Stein zu Stein über den Fluss und stehen im Urwald. Hier kann ich keinen Weg mehr erkennen, aber die Neuguinis wissen wo es langgeht. Eine Weile halten wir uns am Fluss, dann klettern wir an einer steilen Klippe entlang und lassen den Fluss beiseite und schlagen uns in den Wald. Immer bergauf klettern wir über Baumstämme und Wurzeln. Im Urwald muss man aufpassen woran man sich festhält. Einige Äste sehen stabil aus, sind aber nur heruntergefallen und geben keinen Halt, andere haben fiese Dornen, die man zuerst nicht sieht.
Rutschend und schnaufend kommen wir am ersten kleinem Wasserfall an und machen eine kleine Picknickpause, wären die Weißnasen Fotos machen und vor dem Wasserfall posieren. Hier beginnt auch die Frischwasserleitung für Wande. Das Rohr kommt direkt aus dem Kleinem natürlichem Becken, in das das Wasser sprudelt.
Am Wasserfall entlang klettern wir weiter durch den Wald und kommen am Fluss entlang, der hier immer verwunschener wird. Hier kann man sich gut vorstellen, wie Waldgeister ihr Unwesen treiben. Riesenfarne und Schlingpflanzen stehen am „Weg“. Ich sehe nur noch grün ab und zu eine schöne, bunte Blüte, aber unsere Führer klettern weiter voran. Und dann erreichen wir eine riesige Felswand an der der Wasserfall hinabgeht. Die Wand ist ca. 40 Meter hoch. Am Boden hat sich ein kleiner See gebildet und an der Seite Stürzt der Fluss herab. Atemberaubend! Am Seeufer machen wir unsere Mittagspause. Hier lässt sich viel fotografieren: kleine Schmetterlinge an der nassen Felswand, die Gischt des Wasserfalls und das Licht, das sich im Sprühnebel bricht. Ich bekomme Lust auf eine kalte Dusche im Wasserfall. Und möchte gerne hinaufklettern.
Erst heißt, es es sei zu gefährlich, aber nach langem Bitten lässt mich ein Neuguini mit ihm mit nach oben klettern. Die Neuguinis sind immer sehr besorgt, um ihre Gäste. Auch wenn die Klettererfahrung haben und schon ganz andere Sachen gemacht haben. Man ist besorgt. Das kann unheimlich nerven, ist aber eigentlich nur nett gemeint.
Von Oben hat man eine tolle Sicht auf das Tal. Ich bleibe eine Weile oben und schaue mir alles an. Die Jungs erzählen mir, dass ich der erste Weiße hier oben bin. Ich bin schon ein wenig stolz und mein Entdeckerherz schlägt schneller bei dieser Nachricht. Die Jungs nennen mich Mann vom Wasserfall. Und auch Daniel wird mich später so nennen.
Auf den Rückweg gehen wir einen anderen Weg und kommen an einem Stück gerodetem Wald entlang. Einer unserer älteren Jungs erzählt, das er hier ein Haus bauen will. Der junge Mann ist vielleicht 24 und baut ein Haus mitten im Wald. Hier oben sagt er, hat seine Familie Land. Weiter unten ist alles verteilt. So muss er erst mal eine Grade Fläche in den Wald schlagen und die Riesenfarne ausreißen, ob er weiß das sie unter Naturschutz stehen?
Es geht wieder zurück über den Wasserfallfluss und durch den Matsch, dann stehen wir wieder in den Feldern. Von hier oben an der unnatürlichen Baumgrenze hat man einen genialen Ausblick auf die Bergnase mit dem Dorf und dahinter das Gorokatal.
Bei Bigman/Papa Daniel gibt es Zuckerrohr bei unserer Ankunft. Man reißt mit den Zähnen die bambusähnliche, harte Außenhaut ab und kann dann das weichere innere Holz essen. Es schmeckt Süß, natürlich nach Zucker. Und in einem Land, in den Kakao zwar angebaut wird, aber keine Schokolade hergestellt wird, ist es eine gute Alternative, um mal zu „naschen“. Ganz natürlich!
Wie erzählen von unserem Tripp und Papa Daniel erzählt weiter von seinem Tourismusprojekt.
Es wird Abend und die Mamas beginnen zu kochen. In PNG nennt man auf dem Dorf alle älteren, wertgeschätzten Frauen und Männer, Mama und Papa und diese Familie ist mir ans Herz gewachsen.
Es gibt für jeden etwas ein Kilo gekochten Reis, Kartoffelpommes und Karottenpommes mit Frühlingszwiebel- Thunfischsoße. Schmeckt lecker, ist aber für untrainierte Mägen einfach zu viel. Wir Weißnasen schauen uns um, überall werden Teller wieder zurückgegeben, nur wir beiden kauen noch an der einen Hälfte unseres Tellers. Wir haben beide eine volle Portion gegessen, aber der Teller sieht so unberührt aus. Gott sei Dank, kann man Essen zurückgeben ohne schief angesehen zu werden. Jemand anderes wird es sich morgen aufwärmen und essen. Hier kommt an essbarem nichts weg. Sehr sympatisch!
Dass die Neuguinis so viel essen liegt daran, dass sie einmal morgens und einmal abends essen und zwischen durch nichts. Nach dem Essen ist es dunkel. Die Sonne fällt in den Tropen immer noch mit einer ungewohnten Geschwindigkeit hinter die Berge, innerhalb von einer halben Stunde ist es von taghell, stockdunkel geworden.
 Es wird sehr süßer Tee über dem Feuer gekocht. Ich habe Nesquickkakau mitgebracht und der wird gleich mit im Schwarztee verarbeitet. Süß ist in PNG super-süß, meint aber auch lecker, wenn man im Pidgen „sweet“ sagt. Vielleicht eine sprachliche Erklärung, warum alle Neuguinis sich Zucker fast roh und löffelweise und den Mund schütten.
Der Papa erzählt noch eine Geschichte von den ersten Missionaren in den Highlands und wie die Neuguinis damals Bäume gefällt haben, 1930 mit Steinbeil, dann gehen wir schlafen. Es ist grade mal 21 Uhr, aber durch den harten Tag und weil es kein Licht mehr gibt, außer dem Feuer, ist man müde.
Am nächsten Morgen stelle ich mich erst mal an den Rand des Dorfes und schaue mir den grandiosen Sonnenaufgang an. Man steht mit der Sonne auf. Ich genieße die kühle Luft und schaue auf die Wolken im Tal. Das sind Augenblicke, die man bewahren muss.
Zum Frühstück gibt es gebratene Kaukau (Süßkartoffel) und sehr süßen Kakau-Tee. Nach dem Frühstück gehen wir und am Fluss in Tal uns waschen. Der Weg zum Fluss führt steilst bergab durch die Kaffeefarm von Daniels Familie, Aber es lohnt sich. Der Fluss ist der gleiche, wie der des Wasserfalls. Das Wasser ist kristallklar und eiskalt. Er liegt in einer engen Klamm umgeben vom Urwald und den Kaffeefeldern.
 Nach dem Waschen gehen/wandern wir zur Kirche. Die Kirche liegt auf der anderen Seite des Tals, dass ich immer bewundert habe. Der Weg führt erst steil bergab, dann über eine Furt eines anderen Flusses und an der anderen Seite des Tals wieder durch Kaffeefelder steilst bergauf. Es ist heiß und das Wandern mit Rucksack echt anstrengend. Als wir bei der Kirche ankommen müssen wir mal nicht warten, der Gottesdienst beginnt fast sofort. Etwas Besonderes und er dauert auch nicht sooo lange, sondern nur normale 45 Minuten.
Nach den kurzem Gottesdienst schaue ich noch der Sonntagsschule zu, die ein paar Tänze für die große Versammlung am Montag üben. Dann werden wir abgeholt. Papa Daniel schenk uns Weißen je ein Bilum (Pdg.: Umhängetasche), weil er sich so gefreut hat, dass es uns so gefallen hat. Auf dem Rückweg helfen wir einem LKW-Fahrer und ziehen seinen LKW aus dem Dreck. Und dann geht es schnell nach Hause und auf feste Straßen, denn ein Gewitter kommt und da will man nicht auf den steilen Nichtstraßen des Busches Steckenbleiben.
Ein sehr gelungenes, abenteuerreiches Wochenende!

Mittwoch, 7. November 2012

Irgendwo im Nirgendwo ist eine Wahl

Die Districkswahl

Am Donnerstag (13. Oct.) War im Gorokadistrickt die Wahl zum neuen Kirchenpräsidenten des Districkts der ELC PNG (Evangelisch-Lutherische-Kirsche PNG).
Am Mittwochnachmittag entschloss ich mich kurzfristig am Donnerstag mit zur Wahl zu kommen und als unparteiischer Beobachter mir die Sache anzusehen. Von meinen Mentor wurde ich für diesen Tag von der Arbeit im Büro befreit und so konnte es dann um 7:00 Uhr mit dem Land-Cruiser losgehen. Ich fuhr mit dem Papa aus Asaroka zusammen, der mir das Mumu-Machen erklärt hatte und meinen beiden Mentoren Thomas und Cynthia. Auf dem Weg in das 70 km entfernte Dorf Setzten wir noch die befreundeten Schulkinder der Familie Hellfritsch ab und fuhren dann auf direktem Weg zum Mount Kuru, tief in den südlichen Bergen in der Eastern-Highland-Province, in der auch Goroka liegt.
Warum die Wahl auf einem entlegenem Dorf am Berg Kuru stattfand wusste keiner so genau. Wir spaßten, dass so eventuelle Kandidaten durch den langen Weg aufgehalten würden und der Berg sich leichter gegen die Stammesangriffe verteidigen ließe. Das ist natürlich Quatsch, denn warum Sollte man eine eigentlich friedliche Kirchenwahl angreifen und die Kandidaten waren Neuguinis und die kamen überall hin.
Auf der Fahrt erzählte uns Thomas, um uns auf die Wahl einzustimmen, ein Paar wahre Geschichten von Polizeigewalt, Bestechung, unfähigen Managern und andere haarsträubenden Delikten und Menschen, die hier passiert sind.
In Goroka kann man nur zu den Bergen hinauf sehen, aber man kommt selten heraus aus der Stadt. Hier fuhren wir auf schmalen teils kaum vorhandenen Straßen und Feldwegen die Berghänge entlang. Ich konnte mich kaum sattsehen an den ganzen tollen Attraktionen, die die Highlands hier bieten. Es gibt steile Klippen und verwunschene Täler, kleine Hütten auf kahlen Bergen , wie in alten Kungfu-Filmen und Dörfer, die nur über schmale Hängebrücken und tief verschlammte Pisten zu erreichen sind. Hier ist Neuguinea noch wild. Das roch man auch an der Luft. In Goroka wird viel Müll verbrannt und klapprige Autos fahren mit großer Anstrengung den Highway entlang, wobei sie große schwarze Wolken produzierten. Hier riecht es nach nasser Erde, Wald und frischer Gebirgsluft, denn zur Erinnerung die Highlands erstrecken sich von ca. 800m über Null bis zu 4560m (Mt. Willhelm) also Hochgebirge. Es gibt hier aber keinen Schnee. :)
Unser Weg schlängelte sich erst auf dem Highway dann auf immer schmaleren Straßen durch die Berge. Je weiter wir vom Highway wegkamen, desto sauberer, aber auch schlechter wurde die Straße. Wenn auf dem Highway metertiefe Schlaglöcher sind, findet man hier kaum noch eine Straße vor, weil die mal den Abhang hinuntergespült wurde, oder anders kaputt ging und nicht erneuert wurde. Ein echtes Abenteuer hier entlangzufahren, denn auch wenn der Land-Cruiser allrad- betrieben ist und gute Stoßdämpfer hat, wird man ordentlich durchgeschüttelt von den vielen Schlaglöchern und Matschseen.
Bei unserer Ankunft war die Andacht schon voll im Gang und wir nutzten die Zeit, um uns den wichtigen Männern dort vorzustellen. Ich sprach mit vielen Neuguinis und stellte mich als Voluntair aus Goroka vor. Was mich verblüft hat,  viele dorthaben schon etwas von der Nordkirche oder ihren Vorläufern in Deutschlad gehört. Ich hab auch mit zwei Neuguinimännern Gesprochen, die schon in Deutschland waren. Sie erzählten mit leuchtenden Augen davon. Einer war 2009 da, einer 1999. Die Kirchengemeinde legt immer Geld zusammen um einem von ihnen die Rise zum Partner in Deutschland zu ermöglichen. Der muss bei seiner Rückkehr bestimmt viel erzählen.
Zur Mittagszeit gab es das Essen für den ganzen Tag: Reis mir Gemüse, Ban (Pdg.: weiches Milchbrötchen) mit Butter und eine Tasse wässrigen, sehr süßen Kaffee. Hier wird Kaffee entweder sparsamer benutzt, oder die Neuguinis mögen ihn nicht so stark. Ich komme aus einer Familie mit Starkkaffeetrinkern und mag ihn am liebsten in der Cowboykanne über einem Feuer gebrüht bis er die Farbe und Konsistenz von Teer hat. Dieser Kaffee war zu schwach für mich!
Die Vorstellung der Kandidaten nach dem Essen war das nächste Highlight an diesem Tag. Es hatten sich 6 Kandidaten gemeldet und das Wahlkomitee hatte 3 rausgeschmissen, weil sie den neuen Wahlordnungen nicht entsprachen. Zwei der drei rausgeschmissenen Kandidaten waren dort und wollten wieder wählbar sein. Der Erste sagte, er hätte von seinem Rausschmiss nichts gewusst und somit liege ein Formfehler vor. Der Zweite hatte schon seine drei Amtsperioden gemacht und wollte eine nicht erlaubte vierte, was nach der alten Wahlordnung zulässig wäre.
Um dieses Thema gab es eine nicht enden wollende Diskussion. Ob man nicht die Regeln lockern sollte, ob man die Regeln behalten sollte und trotzdem alle sechs zur Wahl ständen und ob das alles nicht Unsinn sei und nur die drei zugelassenen Kandidaten zu wählen wären.
Es wurde teilweise auch richtig laut. Die Highländer stehen ja im Ruf recht jähzornig zu sein, aber bisher hatte ich das nicht mitbekommen. Sturheit kannte ich schon, aber hier ging es mit Worten hoch her.
Es gab auch beschwichtigende Stimmen, die sagten, dass man hier bei einer kirchlichen Handlung in der Kirche sei und deshalb die Regeln klar einzuhalten sind. Jesus heiße das nicht gut. Und außerdem wir sind schließlich in der Christen!
Nachdem man sich auf eine Abstimmung geeinigt hatte, wurde gewählt ob nun alle sechs, oder nur die drei wählbar sind. Es wurde für die drei entschieden. Das ist auch besser so sonst wäre an diesem Tag keine Einigung erzielt worden.
Mittlerweile war es Später Nachmittag und es Konnte endlich gewählt werden. Es gab jedoch keine Wahlkabiene und das Wahlkomitee hatte sich gedacht, dass alle nach und nach zu ihnen an den Tisch kommen sollten, um zu stimmen.
Das wäre überhaupt nicht geheim, da hier jeder jedem über die Schulter schauen kann, sagte Thomas.
Also wurde der Altarraum der Kirche zu einer Wahlkabiene und Thomas hat den unparteiischen Helfer für Wähler, die nicht lesen konnten, gemacht. Soweit fair.
Während des Wahltages sind mir keine Unstimmigkeiten aufgefallen und die Wahl ging recht sauber über die Bühne. Goroka-Town, mein Wahlbezirk hat im voraus extra entschieden dass sie durch Gott entscheiden und es ohne Bestechung tun, so wie sie es im Gebet erfahren haben. Andere Wahlkreise jedoch, so wurde mir nach der Wahl erzählt haben sich schon das eine, oder andere Auto spendieren lassen und kleine Bestechungen im Supermarkt an der Kasse angenommen.
Am Ende wurde der alte Präsident mit sehr knapper Mehrheit wieder gewählt, von dem jeder weiß, dass er Gelder in Höhe von 100.000enden von Kina veruntreut hat.
DiPNG (Das ist PNG!)!
Am Abend war hatte ich mir von ganzen Pidgenreden den Mund fusselig gesprochen und war hundemüde und froh, dass ich nicht in der Nacht zu Fuß wie manche andere nach Hause gehen musste, sondern bequem mit dem Land Cruiser fahren konnte. Ein anstrengender, aber hoch interessanter Tag.