Donnerstag, 4. April 2013

Fröhliche Ostern!

Tauchkurs in Madang

In der Woche vor Ostern waren die Hellfritschens, Tanja und ich in Madang und haben unseren Weihnachten gescheiterten und versprochenen Tauchkurs nachgeholt.

Früh am Sonntag morgen sind wir bei Hellfritschens losgefahren, um so früh wie möglich in Madang anzukommen.
Der Highway war in einem miserablem Zustand. Regenfälle hatten Straßenteile weggespühlt, erosiertes Erdreich hatte andere Stellen verschüttet und zu allem übel regnete es auch in Strömen, sodass die sonst schon glitschige Straße eine Autowasserrutsche wurde, aber das alles ist kein richtiges Problem für einen Landcruiser.
Wir kamen drei Stunden später in Amron bei Madang an, als wir es geplant hatten, aber der Tag war noch jung und so konnten wir mit der vielen Theorie für den Kurs anfangen.
Am nächsten Tag sind wir ins Madang Resort zur Tauchschule „Neuguini Adventure Dive“ gefahren. Pedro, unser fidji Tauchlehrer, hat uns schon erwartet. Alles begann mit einer DVD über Theorie, danach ging es in den Pool und wir haben schwimmen unter Wasser und atmen mit der Sauerstoffflasche auf dem Rücken geübt. Das war schon unser erster Tag.
Der Zweite Tag begann wie der erste, bloß mit weniger Theorie, denn tauchen lernt man im Wasser und nicht aus Büchern. Vormittags Pool und nachmittags sollte es schon unseren ersten Ozean-Tauchgang geben.
Wir fuhren mit dem Riffexpeditions-Kattermaran raus in die Bucht von Madang in die Nähe von Pig-Island. Es war recht unruhige See und so war der einstig weniger geordnet als es schön gewesen wäre. Unser Tauchlehrer hat uns alle einzeln nach unten gebracht und uns zu einem Stein geführt zu festhalten, da die Strömung einen sonst mitgerissen hätte. Das erste mal ins dunkle blau des Ozean zu schauen st eine ganz besondere Situation. Man ist erst aufgeregt und saugt viel zu viel Luft aus dem Tank auf dem Rücken und so dauerte unser erster kleiner Tauchgang am Riff entlang nur 25 Minuten mit einer Flasche, die locker auch für 45 Minuten reichen könnte, trozdem haben wir ihn sehr genossen mit den ganzen kleinen Fischen und Korallen.
Tauchschule ist auch Spaß
Die nächsten Tage lernten wir uns erst im Pool und dann im freiem Wasser mit der Tarierweste auf eine tiefe einzupendeln und nicht ständig zu Sinken oder zu steigen, denn durch das Atmen unter Wasser wirkt die Lunge wie ein Auftriebskörper, deshalb trägt man einen Bleigürtel mit sich herum. Aber dadurch wird man nach unten gezogen und um nicht immer nur auf dem Grund zu tauen hat man eine Tarierweste, die man mit Luft füllt um einen neutralen Auftrieb zu erreichen-also im Wasser zu schweben.
Wir lernten auch die Zeichensprache unter Wasser und was man tut wenn einem die Luft ausgeht, oder man seinen Tauchpartner verloren hat.
Weitere 4 Freiwassertauchgänge folgten. Zu versunkenen Schiffen, Flugzeugen aus dem zweitem Weltkrieg und bunten Riffen.
Das Tauchen am Tag ist anstrengend, je mehr Tauchgänge man macht desto mehr strengt es an, deshalb haben wir abends immer gut gekocht und noch mit allen Siedler gespielt, um uns zu erholen. Nach insgesamt fünf Freiwassertauchgängen und einer theoretischen Prüfung haben wir alle den „PADI Open Water Diver“ Schein bekommen, der uns berechtigt überall auf der Welt Ausrüstung zu leihen und bis zu einer Tiefe von 30 Metern zu tauchen .

Ich habe Nemo gefunden!
Zu Ostern haben wir Eier bemalt und sind zur Osternacht gegangen. Der Gottesdienst hat direkt vor dem Haus stattgefunden, gehalten von Pastor Hans Gauvogel und seinen Schülern aus der Religionsschule. Osterfeuer gab es nicht und auch die Tradition des Eieranmalens kennen die Neuguinis nicht, dafür gab es sehr leckeres Osterfrühstück und einen Extratauchgang zum Barakudapoint. Dort haben wir die Riesigen, aber harmlosen Barakudas in ganzen Schulen gesehen und sogar drei graue Riffhaie, die nicht ganz so harmlos sind.
Tanja und ich beim Barakudapoint
Was für ein Abenteuer!
Die Rückfahrt am Ostermontag war wieder recht rau, da der Highway durch weiteren Regen immer mehr kaputt geht.


Wieder in Madang

Volunteerseminar

Anfang März war ich mit anderen Freiwilligen auf unserem Zwischenseminar im Jais Aben Resort in Madang.
In der Woche in der es losgehen sollte haben wir Gorokas geplant mit auf einen PMV aufzuspringen und direkt nach Madang an die Küste zu fahren. Aber wie so oft haben wir die Rechnung ohne PNG gemacht. Welcome to the land of the unexpected! Das Unerwartete kam in Form von Starkregen, der eine Brücke wegspülte. So musste wir unsere Pläne sehr schnell ändern und entschieden einen Flieger ab Madang zu nehmen.
Am 03.03.13 sind Tanja und ich aus Goroka mit einem PMV (Public Motor Vehiekel) nach Lae (Nazap-Airport), um von dort einen Flieger nach Madang zunehmen.

Wie haben die Busreise nach Lae gut hinter uns gebracht, obwohl es an manchen Stellen etwas holprig war. Wir wurden nur Zweimal von Sonntagspolizisten auf Kakau kontrolliert, weil der Kakau an der Küste von einer Krankheit befallen ist, die nicht durch illegalen Transport ins Hochland verbracht werden sollte, warum dann PMV Richtung Küste auch kontrolliert wurden, weiß man nicht so genau und fragt auch nicht nach. Vielleicht wollten die Polizisten sich den Nachmittag mit ein paar Buai als Schmiergeld versüßen.
Und als wir in Lae angekommen sind, ist fast eine Schlägerei im Bus mit besoffenen Neuguinis losgegangen, aber dann hat der Fahrer dazwischen gebrüllt, dass hier Missionare mitfahren und sich die Raufbolde wenigstens bis wir sicher am Kirchen-Compound abgesetzt sind benehmen sollen.
Fand ich richtig gut, weil ich ja für die Sicherheit von Tanja mitverantwortlich bin. Daraufhin war es still und allen Beteiligten tat es furchtbar leid.

Flughunde in Madang über der Straße
In Lae haben wir bei Matthias und Beate Tröger geschlafen, zwei nette Mitarbeiter der bayrischen Mission und Leiter des Zwischenseminars, die ein sehr sauberes Ostdeutsch sprechen. Mit ihnen ging es am Nächsten Morgen mit dem Flieger nach Madang und gleich nach Jais Aben.
Wir haben nicht direkt im Resort geschlafen, sondern in einem Tagungshaus der Bismark-Ramu-Group, einer Gegenbewegung gegen die unverantwortliche Zerstörung der Natur durch den Großkonzern „Ramu Group“, die im Ramutahl und am Ramufluss große Betriebe der Zucker und Palmenöl Herstellung und Nickelgewinnung haben und dort die Natur und die Menschen mit Füßen treten.

Gruppendisskusion mit den anderen Freiwilligen
Beim Seminar ging es um unsere Situation im Land und die Bewältigung von Problemen wie dem Kulturschock und was eigentlich nach der Zeit in PNG kommen soll. Wir haben die anderen Freiwilligen im Land getroffen und haben uns wieder sehr gut verstanden. Wir haben nicht nur bis tief in die Nacht getagt um unseren Frust über Missionboards und Neuguinis loszuwerden ;), sondern waren auch in den Pausen schwimmen und auf dem schönem Markt um im Museum von Madang und haben zum Abschlussabend einen riesigen Thunfisch gegrillt, den Fischer direkt am Steg vor unserem Haus verkauft haben.

Montag, 18. Februar 2013



Mein Garten

Mittlerweile habe ich seit ein paar Wochen einen eigenen Garten auf dem MI-Gelände. Also nicht ganz meiner. Er ist auch für Marius und JP, meine Mitbewohner.
Dort haben wir bereits Kaukau (Süßkartoffeln), Kartoffeln, Karotten, Mais, Erdnüsse und Radischen gepflanzt.

Alles Wächst hier ganz prächtig. Innerhalb von ein paar tagen sieht man schon die ersten Triebe und nach einer Woche hat man schon kleine Erdnusspflanzen, Mai dauert länger, aber auch da ist nach 10 Tage eine Pflanze gewachsen.
Dieses Monsterwachstum muss an der Vulkanerde in den Highlands liegen und an der regelmäßigen Sonnen und Regenbehandlung.
Grade flaut die Regenzeit ab. Hier in PNG gibt es an fast jedem Ort eine andere Regenzeit. Aber generell ist sie in der Zweiten Jahreshälfte bis in den Februar hinein. Hier in Goroka ca. November bis Februar.

In der Regenzeit fällt viel regen, aber es gibt in Goroka keine Überschwemmungen, weil alles Wasser die Berge hinabrinnt und in Großen Flüssen wie dem Ramu oder Assaro abfließt.
Nur in den Tiefer gelegenen Dörfern um Goroka kann es zu Überschwemmungen kommen, aber ich habe noch keine gesehen.

Jetzt nach 2 Wochen kann man schon richtige Erdnusbüschchen sehen und ich habe auch schon Bananenbündel an unseren geerbten Bananen gefunden. Bananen sind leicht zu pflegen. Einfach stehen lassen und gegebenenfalls gelbe Blätter abschlagen und die kleinen Ableger wegpflanzen.

Erntezeiten gibt es auch nicht so richtig. Alles wächst immer. Kaukau, Kartoffeln, Mais Erdnüsse brauchen 3 Monate. Radischen ein paar Wochen. Karotten 2-3 Monate.
Auf dem Gelände gibt es auch Zitronen, Avocados und Pommilos. Wenn sie reif sind, werden sie von allen so geerntet, wie man es braucht. Aber generell kann man das ganze Jahr über ernten.

Als Gartengeräte kennt man hier nur Buschmesser und Sparten, als ich Marius eine Unkrauthacke zu Weihnachten geschenkt habe, wusste der gar nicht was er damit machen sollte. :)

Donnerstag, 14. Februar 2013

Auf Dem Markt in Goroka




Heute nehme ich euch mit auf den Markt in Goroka. 
Er ist einer der größten und schönsten in PNG, wie ich finde.
Hier findet man ein großes Angebot an frischem Gemüse, Obst, Snax und Krimskrams. Das beste ist, dass es hier immer erntefrisch ist. Also am Morgen geerntet und dann auf dem Markt gebracht. Immer frische Kartoffeln, Karotten, Tomaten. In Deutschland wird vieles in Kühlhäusern gelagert bevor es auf den Markt kommt. Allgemein ist das Lagerwesen in PNG unbekannt. Bei der Hitze hält sich kaum etwas länger als ein paar Tage, aber trotzdem wird nicht gelagert, weil es hier immer Essen im Überfluss gibt. Fast jede Familie hat einen Hausgarten indem alles lebenswichtige wächst.
Ein Nachteil der Urbanisierung in PNG ist, dass die Menschen in den Städten keinen Platz für Gärten haben und dadurch Mangelernährung bis Hunger entsteht. Man ernährt sich ungesund von Magginoodels und Thunfisch aus Dosen und nicht ausgewogen von Kaukau und Gemüse oder mal ein Hühnchen.

Der Kauf auf dem Markt geht so: Man geht durch die Reihen von „Ständen“ (meist eine plane auf dem Boden mit Schirm darüber) und schaut was man möchte. Man zeigt auf nichts, denn das ist unhöflich, weil man es vielleicht gar nicht möchte. Auch anfassen und nicht kaufen ist unhöflich, wie in D. auch. Dann geht man zum Stand und wirft das Geld, möglichst passend auf die Plane und nimmt sich was man möchte. Das ist optimal und ist auch nicht unhöflich. Wenn ich losgehe habe ich ja nicht immer 10Kina in 20 Toja dabei, deshalb muss man sich für den ersten Kauf einen Stand mit viel Umsatz suchen oder genug Kaufen, denn wenn die Marktfrau nicht genug Wechselgeld hat, dann läuft sie dir entweder über den Markt nach und nimmt dann dein kleineres Wechselgeld von anderen Einkäufen, oder rennt selbst über den Markt auf der Suche nach Wechselgeld.

Heute bin ich mit unseren Nachbarn und Marius unterwegs. Wir kaufen alles für die Ankunft von Zeta, meinem Nachbarn ein, er zwei Wochen in Australien und hat Vorträge gehalten.
Am ende haben wir alles erstanden und schläppen unsere Einkäufe nach Hause.

Dienstag, 12. Februar 2013

Trauriges Beispiel

Viele Medien in der ganzen Welt haben darüber berichtet, dass letzte Woche eine Hexenhinrichtung in Mt. Hagen in der Province Southern Highlands stattfand.

Ein trauriges Beispiel für den Aberglauben hier in Papua Neuguinea sind die Sangum-Morde, wo Menschen, häufig Familienmitgliedern, vorgeworfen wird für die Krankheit oder den Tod eines anderen verantwortlich zu sein und ihn mit Hexerei herbeigeführt zu haben.
Der Glube an Magie (Schwarze=böse oder Weiße=gut) ist tief verwurzelt. Und fast jeder Neuguini glaubt  auf die eine oder andere Weise daran. Es gibt zwar Gesetzte, aber die wurden auch nur von einem Palerment gemacht, deren Mitglieder im Sumpf des Hexereiglaubens verloren gegangen sind.
Deshalb lauten die Gesetzte: Hexerei ist Strafbar, Anschuldigungen aber nicht!
Die meisten Sanguma-Morde werden nicht vervolgt, weil sie von der Bevölkerung vertuscht werden, oder die betreffende Familie Freunde bei der Polizei hat.
Dieser Fall wird nur wegen des Medienrummels Verfolgt, aber ob es die Richtigen trifft ist bestreitbar und ob das eswat nützt noch viel mehr! Man müsste noch viel mehr Aufklärungsarbeit leisten, aber grade in die ländlichen Regionen sind schwer zugänglich, weil die Infrastruktur noch nicht so weit vorgedrungen ist.
Hier könnt ihr den Spiegelartikel zum Fall lesen.
Die Beiden Zeitungen, die im Land darüber berichtet haben, heißen "Wantok" und "National", vielleicht könnt ihr da etwas googeln.

Dienstag, 5. Februar 2013

Sanguma in Paradise

Patrol long Ples

Am Sonntag den 02.02.2013 war ich mit meiner Mentorin Verena auf „Patrol“, also auf Kirchenbesuch in der Region. Auf Patrol gehen ist noch von den ersten Missionaren in den 1930er Jahren als die Highlands entdeckt wurden. Da sind die Missionare herumgewandert, durch das Buschland und haben die ersten Gemeinden und Schulen besucht, dann wurde getauft und gepredigt und dann ging es schon wieder weiter. Die Neuguinis, die sie begleiteten nennt man Wokman oder Wokmeris, das heißt (Mit-) Arbeiter, Angestellter auf Tok Pidgen.
Wir sind mit dem Landcruiser in nordwestlicher Richtiung aus Goroka heraus gefahren und bis fast an die Grenze von legendenumwobenen Simbu (sprich: Tschimbu). Im Simbu, so sagen die Leute aus Goroka gibt es viel mehr Magie und Hexenverfolgung als in Goroka (woanders sagen die Leute ist es immer schlimmer, aber am meisten ist es immer in den höhergelegenden Highlands schlimmer) und so manche Lagerfeuergeschichte wird erzählt indem berühmte Zauberer vom Simbu Leute verhexen, von fliegenden Magiern und schwarz magischen Ritualen. Aber mein Direktor Rev. Jack Urame erzählt auch, das es dort sehr schöne Pfade durch die Berglandschaft gibt und das Wasser überall trinkbar ist. Jedes Dorf hat dort seinen eigenen Wasserfall zum Duschen. Ein Trekking-Schlaraffenland!

Die Fahrt dauert gute 45 Minuten. Wir fahren den Highway in Richtung Hagen und biegen dann von der (in Deutschland wohl schlechte Landstraße genanntem Straße) auf eine Schlammpiste (so wie hier gibt es die nicht in Deutschland- Unbeschreiblich) ab und Kuppeln erst mal den Allradantrieb mit dem Vorschaltgetriebe ein. Leider wissen wir auch nicht so genau wo dieses Dorf liegt, dass wir heute besuchen wollen. Denn obwohl es aus der Luft nicht so aussieht ist fast jeder Fleck rund um Goroka besiedelt und unter einem Blätterdach liegen ungezählte Hütten und Wege.
Wir halten bei ein paar Frauen an, um nach dem Weg zu fragen. Sie erzählen, dass sie gute Lutheraner sind und uns gerne den Weg zeigen wenn wir sie bis ins Dorf mitnehmen. Mit Verenas einladender Art werden sie hereingebeten und wir haben fünf schnatternde Frauen auf dem Rücksitz. Sie lohzen uns durch den Busch auf schmalen Wegen und über waghalsig, alte Brücken. Die können doch gar nicht halten, oder?!
Sie halten. Und kurz vor der Kirch des Dorfes steigen die Frauen aus und gehen ihrer eigenen Wege,nicht zur Kirche. „Von wegen guten Lutheranern!“ Sagt Verena, „Hier gab es mal eine tolle große Gemeinde, aber der Pastor ist alt und macht nichts mehr, außer die Leute zu schimpfen, dass sie nicht zum Gottesdienst kommen. Da kommt dann auch keiner mehr!“ Erzählt sie. Und auch, dass es hier seit etwas zehn Jahren auch die Babtisten, die Katholiken und andere Christen gibt. Früher alles Lutheraner.
Bei der Kirche werden wir ehr misstrauisch als freudig begrüßt. Aller: „Was wollen die Weißen hier und warum besucht uns eine Pastorin?“ Denn in Neuguinea gibt es keine Ordinierung für Frauen, Verena hat sich in den Jahren ihrer Arbeit hier das Privileg erarbeitet zu predigen. Den ganzen Gottesdienst kann sie nicht halten, aber wenigstens darf sie nicht nur vor Frauen predigen. In diesen und anderen Dingen ist Neuguinea noch sehr rückständig.
Das Klima bessert sich nachdem wir einfach auf die Neuguinis zugehen und die Leute umarmen, das tut man in den Highlands mit Jedem. Die Neuguinis tauen sofort auf und das Pidgen, dass wir sprechen, hilft auch weiter. Verena erklärt, dass sie hier heute auf Kirchenbesuch ist und wir gerne mit Gottesdienst feiern wollen. Ich erkläre, dass ich nicht Verenas Kind bin, sondern ein Volunteer aus Deutschland. Immer wenn ich mit Meinen Mentoren in ein Dorf komme, denken die Leute ich sei ihr Kind, wer sollte ich auch sonst sein? Die Männer beginnen sich für mich zu interessieren und drei Frauen nennen mich schon „Pikinini bilong mi“ (Mein Kind). Das Eis ist gebrochen. Ich schwärme von den Highlands und erkundige mich, ob ich mich hier auch nach dem Gottesdienst umsehen kann. „Natürlich, du bist doch einer von uns!“ Kommt die Antwort.
Im Gottesdienst predigt Verena unterstützt mit meinem wenigem schauspielerischen Talent über Gefangene im Gefängnis, die eines Tages von einem Fremdem freigelassen werden und sich freuen. Im Übertragenem Sinn, dass Jesus aus dem Gefängnis der Angst heraus hilft. Angst vor der Mutter, weil man essen geklaut hat, Angst vor schwarzer Magie und Sanguma, Angst vor dem Ehemann, der einen schlägt.
Harte Themen!
In diesem Dorf gibt es grade wieder viel Gerede um einen kürzlichen Tod. Und man vermutet Sanguma (schwarze Magie) dahinter. Bei solchen Vermutungen gibt es wie bei uns im Mittelalter dann richtige, meist, Hexenverfolgungen (auch Zauberer-), Folterungen und Feuerhinrichtungen. Grausam, aber leider auch fast alltäglich in PNG.
Den Zahn zieht Verena ihnen jedenfalls gründlich und nach der Kirche hat die Gemeinde viel Gesprächsstoff und möchte mehr davon hören. Verena bekommt drei Kohlköpfe und viele Bananen, damit sie sich noch etwas dazusetzt und erzählt. Damit hat Verena gerechnet und fährt eine moderierte Diskussion über Magie gegen die falschen Anschuldigungen auf, mit der Bibel als Bezug. „Das klappt manchmal.“ Sagt sie, „Aber manchmal machen sie, nachdem wir weg sind, einfach da weiter, wo sie aufgehört haben.“ Ich bin zuversichtlich. Im Gottesdienst habe ich ein paar echte Highländer-Kerle und bärtige Highlander-Frauen gesehen, die still vor sich hin geweint haben, weil sie Verenas Predigt so rührend fanden. Und als der Pastor die Ankündigungen den sogenannten „Tok Save“ gibt, bekommen wir beide je ein schönes Bilum (Umhängetasche), als Zeichen ihrer Wertschätzung geschenkt. Ich werde gleich noch mal adoptiert. Mittlerweile habe ich hier mindestens so viel Familie wie in Deutschland.
Solche Kontakte sind wichtig, wenn man wiederkommen will, oder mal eine Trekkingtour durch den Busch machen möchte, oder auch wenn Straßenräuber einen im Auto anhalten und Wegegeld wollen. Wenn sich dann herausstellt, dass man in der Line von ihnen ist und dann auch noch als Freiwilliger, oder sogar Missionar sind, ist es den meisten Räubern so peinlich, dass man ziehen darf. Wenn man die jedoch nicht kennt, dann kann es schon brenzlig werden. Deshalb bin ich froh, dass ich in diesem wildem, magischem Land so viel Familie habe.
Ich mache mich nach der Kirche mit einem Jugendlichen auf den Weg durch das Dorf. Wir unterhalten uns über die schönen Highlands und das schöne Dorf. Immer Bergauf begegnen wir dauert Leuten. Alle werden gegrüßt. Ist ja schließlich meine neue Familie. Und allen Männern und vielen Frauen wird die Hand geschüttelt. Wir Weißen sind das neue Gesprächsthema und mein Begleiter ist sichtlich stolz, dass er mich vorstellen darf. Auf dem Aeg zur katholischen Schule auf dem Berg kommen wir an seiner ganzen Line vorbei. Ich frage ihn langsam etwas über den Toten und Sanguma aus, ohne das Wort zu erwähnen, denn er wird wieder verschlossener. Man vertraut mir nicht und ich stoße auf eine Mauer von Misstrauen und Nichtwollens. Das Thema scheint noch zu frisch zu sein. Besser wieder über alltägliche Plaudern.
Was ich hier das erste mal fotografisch festhalten konnte ist, das hier die Männer und Frauen unter sich Händchen halten, aber niemals mit Andersgeschlechtlichen, höchstens mit den Eltern.
Und Ich finde auch Beweise für den verschwenderischen Gebrauch von Chemikalien beim Kaffefarmen.
Gegen Nachmittag bin ich wieder bei der Kirche, wo Verena mit den Hedman und Hedmeris noch Jesus und das Gefängnis bespricht. Es scheint wirklich zu wirken, die Dorfleute sind fröhlich fast enthusiastisch und wollen gleich alle Sangumas bebeten, um so den Zauber aus ihrem Dorf zu vertreiben. „Besser als foltern!“ Denk´ ich mir trocken.
Die Rückfahrt ist etwas leichter. Wir kennen den Weg zum Highway zurück und den meisten größeren Matschpools können wir ausweichen.
Lehrreicher Tag!

PS:
*Werbeblog* Wer mehr über Sanguma in PNG lesen möchte sollte sich das Buch "Sanguma in Paradise" von Franco Zocca (Melanesian Institute (www.mi.org.pg)) bestellen. *Werbeblog beendet*



Mittwoch, 9. Januar 2013

Zurück an der Küste

Weihnachten an der Küste

Am 16.12.12 sind die zwei Freiwilligen Philipp und Tim von der Küste und ich in ein PMV (Überlandbuss) gestiegen und mit ca. 20 Neuguinis fröhlich den Highway runter nach Madang gefahren.
Die Fahrt war schon ein kleines Highlight für sich. Den Weg bis Unkarumpa, dort wo ich den 1. Advent erlebt habe, kannte ich ja schon. Aber danach kommt man aus den Highlands heraus und fährt durch das Ramutahl und Durch die Hügel an der Küste.
Das Ramutahl ist nach dem Fluss Ramu benannt der sich tief in die lehmige Erde dort gefressen hat. Im Tal lebst wird viel Landwirtschaft betrieben: Zuckerrohranbau, Ölpalmen und etwas Rinderzucht. Die Große Firma dort heißt Ramusugar, oder Ramuoil. Sie Gehört zu den größten in PNG. Ich habe schon Viel schlechtes über den Anbau von Ölpalmen gehört. Beispielsweise wie auf den Philipinen, wo sie den Regenwald roden und „degenerierte“ Flächen zu Nutzflächen mit Monokulturen ummodeln. Darum fahre ich mit gemischten Gefühlen an den Reichen immer gleich aussehenden Palmen vorbei. Den Menschen von Ramus hat die Landwirtschaft Arbeit gebracht und wohl auch Infrastruktur, denn die Straßen hier sind besser als auf dem ganzen Highway sonst.
Nach dem Ramutahl kommen wir in einen Lidstrich, der mich an das Auenland vom „Herrn der Ringe“ erinnert. Kleine grüne Hügel und etwas Buschwerk, nur die Bananen und Kokospalmen stören das Bild. Hier beginnt der Kokosgürtel, der sich fast ohne Lücken einmal komplett um Neuguinea schließt. Überall au der Insel werden Kokospalmen angebaut oder sie wachsen dort wild.
Mit Tim eine Kaukau (Süßkartoffel) im PMV essen.
Auch die Häuser sehen anders aus als in den Highlands. Hier bauen die Leute auf Stelzen um dem sinnflutartigen Regen zu trotzen, der hier alle Nas´lang fällt. So auch heute. Zwischenzeitig kann man kaum sehen und die Straße wird auch wieder schlechter, nachdem wir das Ramutahl verlassen haben. Je schlechter die Straße, desto wilder die Natur. Wir fahren nun durch mit Regenwald bestandene Hügel (muss ich sagen, denn hier sind wir lange unter 1000m der Highlands). Grün in allen Schattierungen umgibt uns. Ich sehe Vögel kreisen und Versuche zu erkennen um was es sich handelt. Wahrscheinlich ein Papagei, oder so, sagt der Fahrer. Wir halten immer mal wieder an und nehmen einzelne Leute mit zum nächsten Markt, die am Highway in fast jeder kurve zu finden sind. Kleine Stände aus Bambus an denen es meist Gurken, Kumu (Blattgemüse), und Maggibrühwürfel gibt. Am Guten Märkten gibt es dann noch warme in Fett gebratene Brötchen und Mangos.
Unsere Fahrt durch den Djungel endet abrupt an einem Fluss. Hier sollte eigentliche eine Straße sein. Komisch! Wir sind nicht die einzigen und Steigen aus um uns mit den anderen Gestrandeten die überflutete Straße anzusehen. Auf beiden Seiten stehen die kleinen PMV-Busse und einige LKW´s mit Kokosnüssen oder noch mehr Leuten. Man beredet was zu tun sei, aber so richtig tun will dann keiner. Schließlich entscheiden die mutigen Landcruiserfahrer durch den Fluss zu fahren. Ein paar Neuguinis gehen voran und erkunden wo die Straße gewesen ist. Die Landcruiser schaffen es. Also versuchen es auch ein paar andere. Langsam kommen die Schlangen von Autos auf beiden Seiten in Fahrt. Wir stellen uns an den Fluss und winken im Reißverschlussverfahren die Autos von beiden Seiten rüber und ordnen das Chaos. Philipp ein Freiwilliger von Karkar nimmt die Sache in die Hand. Er war schließlich bei der Feuerwehr!
Irgendwann hat sich der Verkehrsknoten gelöst und wir steigen auch wieder ein. Die Fahrt geht weiter. Nun fast ereignislos bis wir in Madang ankommen. Dort werden Wir von Pastor Hans aus Amron Abgeholt. 20 Minuten später schmeißen wir unsere Globetrotterrucksäcke in die Ecke von Tim´s Haus und sind froh den ersten Zwischenstopp erreicht zu haben. Ein Anstrengender Tag, obwohl man doch kaum was gemacht hat...
Madangmarket zum Großeinkauf
Am nächsten Tag treffen wir noch Tanja aus Finshhafen und lassen uns von Hans nach Madang fahren. Dort kaufen wir für eine Großfamilie Freiwillige ein und besteigen ein Speedboad nach Karkar- Island.
Das Wetter ist trüb und die Fahrt ist sehr rau. Wir springen mit den fliegenden Fischen um die Wette und kommen nass und durchgeschüttelt am Strand in Karkar an.
Wir werden von Dr. Tanja Ile (aus Itzehoe) abgeholt und fahren mit Sack und Pack nach Gaubin Hostpital, wo die Freiwilligen von Karkar stationiert sind. Sie unterrichten die Kinder der Ärzte und helfen tatkräftig im Workshop des Krankenhauses mit.
Das Krankenhaus hat ungefähr 150 Patienten und 3-4 Ärzte. Die Iles (Chris und Tanja und einen Madagassi Arzt der sich Roger nennt, da man seinen Namen nicht aussprechen kann und hin und wieder einer vom Festland).
Hier werden alle Operationen im nicht sterilen Op durchgeführt erzählt Dr. Chris. Die Lampen des Op sind grade zur Hälfte ausgefallen, oder der Generator will mal nicht anspringen, deshalb braucht er manchmal eine Taschenlampe. Dass es hier nicht steril ist, ist nicht so das Problem. Für die meisten Eingriffe braucht man keine sterile Umgebung. Viel schwerwiegender ist, das die Männer von Hausmeister-Workshop immer die Arzthandschuhe klauen um damit Gartenarbeit zu machen. Später beim Baden sehe ich einen Dreibeinturm im Wasser stehen, der zum Fischen ist, der aus Op-Schläuchen zusammengebunden ist...
Auf Karkar ist das Leben gut. Es ist nur etwas heiß 36°C mit 100% Luftfeuchtigkeit, aber ansonsten ist es traumhaft. Wir gehen jeden Tag schnorcheln im hauseigenem Riff am schwarzem Stand von Gaubin und unternehmen Ausflüge zu den Goudirs. Die Goudirs sind die geheimen Könige von Karkar. Paul und Babara sind ein Neuguini/Aussi-Deutsches Ehepaar, denen eine gigantische, kombinierte Kokos-Kakau-Plantage gehört. Babara führt uns herum und zeigt wie die Kakaubäume in der Baumschule heranwachsen und später in Lücken in der Plantage gepflanzt werden. Hier wird auch Kakau veredelt.
Weiter geht es in die Kokostrocknung. Hier wird die Nusshälfte auf Trockenrosten über einem Feuer aus trockenen Kchalen getrocknet. Das Ergebnis heißt Kobra und schmeckt haargenau wie Bounti. Am Ende der Führung schauen wir uns noch die fertigen Kakauschoten an und gehen in die Kakautrochnung. Dort probieren wir 100% Kakau. Viel besser als jede Zartbitterschokolade!
Besser as Zartbitter: Rohkakau
Eine Kakauschote
Paul Fährt mit uns zum Riffschnorcheln und Tintenfischjagen auf ein Riff vor der Küste. Das Wasser ist kristallklar. Auf dem Riff ist es nur 3-4m tief, aber danach geht es eine Unterwasserklippe ins unbestimmbare Blau des Pazifik hinunter. Ich probiere wie weit ich hinunter tauchen kann, muss aber feststellen dass ich nicht mal mit größter mühe und mehrmaligem Druckausgleich den Grund sehen kann. Das einzige was passiert ist ein kribbeln in den Füßen und der Wunsch ganz schnell wieder nach oben zu kommen. Auf dem Riff leben unheimlich viele Fische. Ich sehe Clownfische, Doktorfische, Kugelfische, bunte Seesterne und viele andere, die ich nicht kenne und einmal sogar einen Hai, der grade noch sichtbar durch mein Sichtfeld schwimmt. Am Ende des Tages haben wir einen großen Tintenfisch mit der Harpune geschossen.
Paradisstrand auf Karkar
Wir besuchen auch ein Dorf, indem das für PNG typische Holzschnitzerhandwerk ausgeübt wird. Ein Dorf wie aus dem Bilderbuch mit türkisfarbenem Meer und weisem Strand. Das ist selten für Karkar. Sonst sind hier die Strände schwarz, weil die Insel eigentliche ein Vulkan ist und das schwarze Vulkangestein hier dominiert. Ansonsten bereiten wir unser Freiwilligen Weihnachten vor. Wir machen eine Ofenente mit Kartoffelklößen, Bohnen und Buttergemüse. Alles frisch und vom Madangmarkt mitgebracht, weil es auf Karkar nur Kokos, Fisch und Buai (Betelnuss) gibt. Hier wächst halt nichts. Unser Weihnachtsessen ist super, aber es fühlt sich trotzdem anders an, nicht wie Weihnachten. Weihnachten ist doch immer kalt und winterlich, aber hier liegen wir am Heiligabend-Nachmittag am Strand und Schauen aufs blaue Meer. Der Gottesdienst ist auch anders. Wir Weißen verkleiden uns als Maria, Josel, Könige, Schafe und Ochs und Esel und singen „Stille Nacht“ auf Deutsch und in der Sprache des dominierendem Stammes auf Karkar. Die Anderen Gruppen in der Gemeinde machen auch etwas vor. Singen, Schauspielen oder ein richtiges „Singsing“ (traditioneller Tanz) mit Kundu-Trommel und Bastrock. Da man hier in PNG bei solchen Gelegenheiten bloß niemanden vergessen darf dauert der „Gottesdienst, der eigentlich keiner ist, fast 3 Stunden.
Unser Weihnachtsbaum mit Geschenken in Gaubin
Nach den Weihnachtsfeiertagen fahren wir nach Madang zurück, auch wieder mit einem offenem Speedboat. Das Wetter ist besser, aber ich bin trotzdem nasser, wegen den hohen Wellen vor der Küste.
In Madang wollen wir einen Tauchkurs machen, aber der Tauchlehrer steckt auf Fidji fest und so machen wir Ferien in Amron bei Tim im Haus und fahren zum Baden ins Jais Alben Resort. Dort kann man herrlich unter sonnenschirmchen sitzen sich über den einheimischen Tuch dort freuen und sein Weißsein mit einem kühlem Bier feiern. Wir treffen nur fette Weiße und ein paar snobbige Neuguinis. Aber da es grade nicht anders geht machen wir das Beste daraus und schnorcheln nach dem versenktem Wrack eines Bombers, das im Weltkrieg II hier abgeschossen wurde. Ich glaube es ist ein Japanisches Flugzeug, aber sich bin ich mir nicht.
Und Irgendwann ist auch wieder Silvester. Wir Freiwilligen feiern mit den Missionarys und Ärzten die aus dem deutschsprachigem Ausland kommen in Alexishafen, dort wo auch der Retreat war. Wir Wechseln uns mit dem Kochen ab. Spielen mit den Kids und bereiten den Festabend vor. Es gibt ein Programm für das jede Familie ein musikalischen Beitrag oder ein Spiel vorbereitet hat und am Ende mache ich um 12 Uhr eine kleine Feuershow. In PNG gibt es überhaupt kein Feuerwerk. Ich habe sonst immer Silvester im Pulvernebel verbracht, aber diesmal gibt es bloß ein paar am Knallfrösch von Goudirs. :)

Feuershow






Das Neue Jahr wird entspannt begangen und am 4. Fahre ich wieder zurück nach Goroka.
Was für Geniale Weihnachtsferien!